Die vierte Generation: Georg Wilhelm Pfingsten und Hermann Pfingsten

    Georg Wilhelm wurde am 10. August 1856 geboren. Dank seiner heiteren jungen Mutter soll er eine sonnige Kindheit gehabt haben, ebenso wie sein zwei Jahre jüngerer Bruder Hermann. Sie wuchsen im Pfingsten’schen Haus am Nordwall auf. Auf dem Dachboden experimentierten die technikbegeisterten Jungen mit Dampfmaschinen und Morseapparaten. Georg Wilhelm machte 1877 das Abitur im ersten Jahrgang des neuen Celler Real­gymnasiums. Anschließend diente er kurz im Celler Artillerieregiment und studierte dann Mathematik und Physik in Göttingen, Berlin und Tübingen. Als sein Vater 1883 überraschend starb, beendete Georg Wilhelm seine akademische Karriere und übernahm am 19. Mai das Geschäft. Sein Ziel war, für Mutter und Schwester die Lebensbasis zu sichern. Doch das fiel zunächst nicht leicht, denn die Firma war finanziell überlastet. Seinem Wesen nach soll Georg Wilhelm mehr Gelehrter als Geschäftsmann gewesen sein. Aber mit Fleiß, Sparsamkeit und Rechenkunst gelang es ihm, die Schulden abzubauen. Georg Wilhelm Pfingsten heiratete 1884 Margarete Quietmeyer, Schwester seines besten Freundes und Tochter von Ernst Quietmeyer, dem Mitbegründer und ersten Leiter der Spar- und Leihkasse (Kreissparkasse Celle). Das Paar hatte zwei Kinder: 1885 wurde Tochter Clara geboren und 1896 Sohn Ernst. Georg Wilhelm wanderte gern und interessierte sich sehr für Heimatkunde und Geschichte. Er war Mitbegründer des Celler Museumsvereins. Hermann Pfingsten hatte nach dem Abitur zunächst Jura studiert und war dann Offizier bei der sächsischen Artillerie geworden. Als Major quittierte er 1902 aus gesundheitlichen Gründen den Dienst und kehrte nach Celle zurück. 1904 trat er mit in das Celler Geschäft ein. Seine Ehe mit der Berlinerin Charlotte Seegers wurde bald geschieden. Hermann übernahm die Leitung der Redaktion, während Georg Wilhelm den Verlag leitete. Hermann Pfingsten war sehr kommunikativ und erweiterte den redaktionellen Teil, vor allem die Lokalnachrichten. Bei der Belegschaft war „der Major“ als Chef beliebt. Er soll überaus fleißig und energisch gewesen sein. Die ehemalige Mitarbeiterin Sophie Lohmann äußerte: „Er hatte einen eisernen Willen, anstellen gab es bei ihm nicht.“ Das wurde ihm zum Verhängnis. Hermann Pfingsten kam in der Mangelzeit des Ersten Weltkriegs auf die fatale Idee, sich streng nach den Vorschriften über die Ernährung in Kriegszeiten verpflegen zu wollen. Durch diese einseitige und mangelhafte Nahrungsaufnahme wurde er dermaßen geschwächt, dass er im Februar 1917 starb. Diagnose: Schlaganfall. Nun musste Georg Wilhelm Pfingsten den Familienbetrieb wieder allein führen. Er selbst starb am 15. Januar 1920, und sein erst 24-jähriger Sohn Ernst übernahm.