„Oma musste in die Zeitung“

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Er arbeitet seit vielen Jahren als freier Mitarbeiter für die CZ: Lothar H. Bluhm vor dem Alten Rathaus. Dort war er von 1978 bis 1981 Pressesprecher der Stadt. ©Alex Sorokin

Seinen ersten Text veröffentlichte er vor einem halben Jahrhundert. 1963 war das, Lothar H. Bluhm war 14 Jahre alt. „Oma musste in die Zeitung. Sie hatte ihren 70. Geburtstag“, erinnert er sich. Also schrieb er ein paar Zeilen, nahm ein Passbild und gab alles zur Zeitung. Es sollten noch tausende Artikel folgen.

Heute ist Lothar H. Bluhm der freie Mitarbeiter, der am längsten für die CZ schreibt. Sein Spektrum ist breit. Der 67-Jährige hat Lilo Wanders porträtiert und die Sanierung des Celler Schlosses begleitet, er war mit einem Schornsteinfeger auf den Dächern der Stadt. „Alles außer Sport“ heißt sein Credo. Neugier und Interesse treiben ihn an, auch heute noch. „Oft komme ich abends nach Hause und stelle fest: ‚Was es nicht alles gibt‘“. Ihn interessieren die Menschen hinter der Geschichte. Der Ahnenforscher, der in seine Welt blicken lässt; der Altbau-Sanierer, dessen Herz an maroden Fachwerkhäusern hängt. Der Mensch muss ins Blatt, diesen Satz hat Lothar Bluhm verinnerlicht. – Und der freie Mitarbeiter kommt an Orte, die ihm sonst verschlossen blieben. „Durch die Zeitung habe ich die Möglichkeit, fast überall hineinzugucken. Das finde ich toll.“

Lothar H. Bluhm, in Celle geboren, startete Mitte der 1960er-Jahre bei der Gemeinde Westercelle seine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt. Nebenbei schrieb er Artikel für die CZ: für die Jugendseite, fürs Lokale, auch für den Reise-Teil. Die Pressearbeit interessierte ihn. 1978 wurde er Pressesprecher der Stadt Celle. Drei Jahre später wechselte er in die Pressestelle der Bezirksregierung Hannover, es folgte das Pressereferat im Kultusministerium. Ab 1989 war er dort im Referat für europäische und internationale Zusammenarbeit tätig. Bis Ende 2005, da wollte der damalige Ministerpräsident Christian Wulff beim Personal Geld einsparen. Bluhm ging mit 56 Jahren in den Ruhestand.

Bereut hat er das nie. Jetzt konnte er für die CZ so richtig loslegen. Er schrieb vor allem über den Celler Westkreis. Denn Bluhm war Bannetzer, Wahl-Bannetzer. 1981 waren er und seine Frau Jutta aufs Land gezogen. Im Winser Ortsteil fühlten sie sich pudelwohl, bekamen zwei Kinder. Noch heute, da sie längst wieder in Celle leben, sind sie der Gemeinde Winsen verbunden. Lothar H. Bluhm ist weiterhin einer der beiden Heimatpfleger von Bannetze. Die Pressearbeit für die Feuerwehr hat er nach fast 25 Jahren inzwischen in jüngere Hände abgegeben.

Für die CZ schreibt Bluhm heute vor allem große, hintergründige Geschichten: Reportagen, Serien, Hintergrundseiten, Typen-Porträts. Immer hat er seinen Foto-Apparat dabei. Einen Blick für echte Hingucker hat er. Wie er das macht? Bluhm zuckt mit den Schultern. „Ich suche ungewöhnliche Perspektiven. Gelernt habe ich das nie“, sagt er. Häufig kommen erstklassige und unverwechselbare Fotos dabei heraus.

Die beste, wichtigste, schönste Geschichte, die er jemals aufgeschrieben hat? Da muss er lange überlegen: „Das waren sehr viele.“ In Erinnerung geblieben ist ihm aber das Gespräch mit der hundertjährigen Emmy Mennerich. Bluhm traf sich mit ihr für ein Porträt. Mehr als drei Jahrzehnte hatte sich die Dame als Heimbeirat engagiert. „Es war beeindruckend, mit wie viel Freude und Enthusiasmus sie davon erzählt hat.“ Auch den kleinen Geschichten kann er etwas abgewinnen. Zum Beispiel den Ferienpass-Aktionen. In manchen Jahren hat Lothar H. Bluhm, der selbst zwei kleine Enkelkinder hat, fast jeden Tag berichtet, was die Kinder in den Ferien so treiben.

Wohltuend sind die Rückmeldungen von Lesern, wohltuend sind auch die Texte, mit denen man etwas bewirken kann. So wie 2015 in Wietze. „Ohne Hilfe im fremden Land“ war die Überschrift eines Textes im Landkreis-Teil der CZ. Lothar H. Bluhm hatte beschrieben, dass sich in der Gemeinde niemand so richtig um die Flüchtlinge kümmert. Die Kritik zeigte Wirkung. Ein paar Wochen später stellte die Gemeinde eine Flüchtlingsbeauftragte ein.