Wenn warme Köche Böcke schießen

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Obwohl Korrekturabzüge von privaten und Geschäfts-Anzeigen „von Amts wegen“ – in der Setzerei galt einst eine strenge Hierarchie – stets ihren Weg ins CZ-Korrektorat fanden, ließen die damaligen Platzhirsche dieser Abteilung, aber auch die der Anzeigensetzerei hin und wieder doch so manchen „Bock“ passieren. Was folgte, waren einerseits massive Vorwürfe der Inserenten – die das Kuckucksei mitunter selbst übersehen hatten – und der vorgesetzten Abteilungsleiter, andererseits das schadenfrohe Gelächter der Kollegen.

Auf der Hitliste der Fauxpas‘ stehen folgende Beispiele, die allerdings schon 30 und mehr Jahre alt sind – und deren Verursacher auch schon verstorben sind: Reisebüro Winkelmann warb Ende der 1970er Jahre in einer Anzeige für einen Urlaub auf der italienischen Insel Ischia. War es die Unkonzentriertheit des Texterfassers oder die Menge spätabendlicher Gilde-Pilsener aus dem hauseigenen Automaten? „Drei Wochen Ischias“, so pries die Headline diesen Familienurlaub. Kollege „Maxe“ Mohaupt machte diesen Fauxpas überdies zu Geld, indem er den Zeitungsausschnitt an die „Hörzu“ schickte und prompt 25 D-Mark gewann.

Manch altgedienter, gelernter Maschinensetzer hatte später im Fotosatz seine liebe Mühe mit den immer zahlreicher werdenden Sonderzeichen. Waren diese im Magazin der bleiwarmen Setzmaschinen noch rar, überschwemmten sie in der neuen Technologie den Horizont der Altgesellen. Ernst Köhler mühte sich ehemals an einer großformatigen Traueranzeige eines verdienten Celler Bürgers. Dem Sterbedatum stand und steht gewöhnlich immer noch das Kreuz vor. Doch damals rutschte dem Senior aus Versehen ein Telefonzeichen aus der Tastatur. Die Empörung am nächsten Tag war entsprechend groß. Aber auch das Gelächter.

An der Celler Bergstraße eröffnete Ende der 1980er Jahre die „Bayerische Botschaft“. Diese gemütliche Gaststätte mit gutbürgerlicher, eben zünftiger, Speisekarte plante eine großformatige Eröffnungsanzeige. Am Ende dieses Inserates warb der Inhaber mit großzügigen Öffnungszeiten. Die warme Küche sei bis 23 Uhr geöffnet. Fast schon unumgänglich der Bock, den der Anzeigensetzer am damals modernen Linotype-Page-Manager produzierte: „Warme Köche bis 23 Uhr!“ Glücklicherweise hatte der Gastwirt nicht nur riesige Portionen auf seinen Tellern, sondern auch großen Humor. Der Setzer kam ungeschoren davon.