Verlagsgründung in unruhigen Zeiten

Ignaz Schweiger und Conrad Pick eröffnen 1813 gemeinsame Druckerei

Es waren in jeder Hinsicht unruhige Zeiten, als sich der Schriftsetzer Ignaz Schweiger und der Buchdrucker Conrad Pick zu Beginn des 19. Jahrhunderts entschlossen, in Celle eine Buchdruckerei zu eröffnen. Die Französische Revolution und ihre politischen Auswirkungen wirbelten althergebrachte Strukturen durcheinander und Napoleon sorgte mit seinen Soldaten in ganz Europa für Aufregung.

Auch Celle war von Franzosen besetzt. Zwangsabgaben und Einquartierungen machten der Bevölkerung schwer zu schaffen. Insbesondere die vielen Zwangsrekrutierungen in den Dörfern des Celler Landes verbreiteten Angst. Viele junge Männer mussten für die napoleonischen Armeen in den Krieg ziehen und kehrten niemals zurück.

Franzosenzeit brachte Gewerbefreiheit

Für die beiden Zugezogenen, Schweiger und Pick, änderte sich mit den neuen politischen Verhältnissen in Celle allerdings auch etwas zum Besseren. Schweiger war um 1800 aus seiner Geburtsstadt Würzburg gekommen, durfte in Celle aber nicht einfach seinen Beruf ausüben ohne entsprechende Konzession. Und eben diese wurde ihm lange verwehrt. Das gleiche Problem hatte Conrad Pick. Er stammte aus Salzhemmendorf bei Hameln und hatte in Hannover die Buchdruckerkunst erlernt. Auch er durfte in Celle nicht einfach eine neue Druckerei eröffnen. Sein Antrag von 1809, der im Celler Stadtarchiv bewahrt wird, wurde vom Celler Magistrat abgelehnt. Die Stadtoberen teilten das Argument des Neubürgers nicht, wonach die bis dahin einzige Celler Druckerei – die Schulze‘sche Hofbuchdruckerei – die zahlreichen Druckaufträge nicht mehr alleine bewältigen könne. Pick hatte sogar behauptet, viele Literaten wären gezwungen, auswärts drucken zu lassen. Trotzdem behielt Schulze das Monopol zunächst noch.

Um sich finanziell über Wasser zu halten, betrieb Pick in seiner Not stattdessen seit Januar 1804 eine Speisewirtschaft. 1808 heiratete er die Cellerin Elisabeth Wolde. Sie besaß das Haus Mauernstraße 41, in dem später der Verlag Schweiger & Pick gegründet wurde.

Schweiger überbrückte die Zeit des Arbeitsverbotes mit den Einnahmen seiner Frau Christine Wilhelmine, geb. Tiedemann. Sie verkaufte seit 1808 an der Ecke Zöllnerstraße und Piltzergasse Fische und Austern, später auch andere Lebensmittel, um die Familie zu ernähren. 1803 war Sohn Friedrich Wilhelm Adolph und 1805 Tochter Johanna Wilhelmine Schweiger geboren worden.

Nachdem das Celler Land 1810 dem Königreich Westfalen zugeordnet wurde, galten neue Gesetze. Jeder Mensch sollte nun rechtlich gleich behandelt werden. Alte Privilegien hatten ausgedient. Es herrschte jetzt Gewerbefreiheit. Schweiger und Pick taten sich zusammen und eröffneten endlich, nach jahrelangem Ringen, ihre Buchdruckerei in Celle. Als offizielles Gründungsdatum des Verlags gilt der 1. Juli 1813.

Beim hier abgedruckten Buchtitel: „Kurze und möglichst vollständige Belehrung über die Besaamung der Forstgründe und über die Anlegung neuer Schläge und Holzungen“, dürfte es sich um eines ihrer ersten Druckerzeugnisse handeln.

Alte Verhältnisse kehrten zurück

Das Königreich Westfalen verging bereits im Oktober 1813 wieder, als eine der Folgen des Gefechts an der Göhrde und der Völkerschlacht bei Leipzig. Die alten Herrscher hatten sich gegen die umwälzenden Reformer erfolgreich zur Wehr gesetzt. Vielerorts kehrten wieder alte Verhältnisse ein. Aber nicht alle Neuerungen wurden zurückgenommen. Schweiger und Pick stellten sofort einen Antrag zur Weiterführung ihrer gemeinsamen Buchdruckerei. Von der „Provisorischen Regierungs-Commission“ bekamen die beiden am 4. Februar 1814 die Erlaubnis zur Fortsetzung ihres Gewerbes. Im Celler Stadtarchiv wird eine Abschrift der für die Historie der Celleschen Zeitung wichtigen Erlaubnis verwahrt. Der zeitgemäße Wortlaut des hier abgebildeten Briefs ist: „Nach geschehener Erwägung allen für und wider das Gesuch der dortigen Buchdrucker Schweiger und Pick, um Coniession zur Fortsetzung ihrer dortigen gemeinschaftlichen Buchdruckeung, in den Acten vorkommenden Gründe, finden wir uns bewogen ihnen zu gestatten; daß sie ihre Buchdruckeung, worauf sie während der Westphälischen Verfassung patentiert gewesen sind, vorerst und bis zu weiterer Verfügung fortzusetzen.“

1814 kam Erlaubnis zum Weitermachen

Der alteingesessene Hofbuchdrucker Schulze versuchte zwar noch einmal, sein Privileg geltend zu machen, hatte aber versäumt, es beim Herrscherwechsel erneuern zu lassen und wurde darum abgewiesen.

Schweiger und Pick durften also weitermachen und begannen das Fundament für die über 200-jährige Erfolgsgeschichte des Verlags Schweiger & Pick in Celle zu legen. Außer der etablierten Buchdruckerei Schulze an der Kanzleistraße gab es nun die neue an der Mauernstraße. Zahlreiche Publikationen wurden hier in den kommenden Jahrzehnten gedruckt, vor allem lokale und juristische Schriften.

Aus Respekt vor der Leistung der beiden Gründerväter und wegen ihrer großen Bedeutung für die lange Tradition des Unternehmens stehen ihre Namen heute immer noch im Firmennamen. Obwohl sie bereits in der zweiten Generation verschwanden – aber das ist eine andere Geschichte, die hier bald erzählt werden soll.