Zwölf „gute Groschen“ für die Zeitung

Ignaz Schweiger und Conrad Pick eröffnen 1813 gemeinsame Druckerei

Als am 2. April 1817 erstmals ein „Zellescher Anzeiger“ erschien, war das keine Selbstverständlichkeit. Im damaligen Königreich Hannover unterlagen alle Publikationen einer strengen Genehmigungspflicht.

Mit der Erteilung von Zeitungskonzessionen war die Regierung in Hannover sehr zurückhaltend. Zu sehr war zu befürchten, dass sich demokratische Ideen in der Bevölkerung verbreiten könnten.

Öffentliche Bekanntmachungen wurden seinerzeit nur vom Regierungssitz aus verbreitet. Dafür genügte den Machthabern der 1750 gegründete „Hannoversche Anzeiger“. Darüber hinaus gab es wöchentliche Anzeigen- und Intelligenzblätter in Hildesheim, Lüneburg, Göttingen, Münden und Osnabrück.

Ignaz Schweiger und Conrad Pick bemühten sich zunächst erfolglos um eine Zeitungskonzession. Erst in Verbindung mit dem damaligen Pastor aus Nienhagen, Georg Friedrich Wilhelm Beneken, gelang es, in Celle ein eigenes Anzeigenblatt herauszugeben.

Pastor Beneken bekommt königliche Genehmigung

Pastor Beneken hatte bereits publiziert und galt als welfentreu. Ihm wurde zugetraut, die Zensurvorschriften zu beachten, keine politischen Diskussionen zu veröffentlichen oder gar demokratische Reformgedanken zu drucken. Er genoss offenbar das Vertrauen der königlichen Verwaltung und erhielt am 31. Januar 1817 die „allerhöchste Königliche Genehmigung“ zur Herausgabe einer Wochenschrift in Celle.

Das Konzept von Schweiger, Pick und Beneken war die Kombination eines Anzeigenblattes mit einer lesenswerten Unterhaltungsbeilage. Im vierseitigen Anzeigenblatt, das jeweils mittwochs erschien, konnten Gewerbetreibende und Privatpersonen Annoncen aufgegeben. Die Zeile wurde dabei mit 9 Pfennig berechnet, was im Vergleich mit anderen Blättern sehr günstig war. Herausgeber Beneken ließ die Leser am Ende des ersten Jahres wissen, dass dieser Preis ihm keinen Gewinn brachte.

Er erklärte dazu: „Überdies sind diese Blätter zu sehr Bedürfniß, das heißt, zu sehr Lieblingssache, des Unternehmers geworden, als daß er sie aufgeben könnte, solange er sich der Allerhöchsten Königlichen Genehmigung, und des Beifalls billiger Leser, erfreuen darf.“

Seine Leidenschaft lebte Beneken vor allem in der vom ersten Tag miterscheinenden Zeitungs-Beilage aus. Er fand verschiedene Autoren, die Aufsätze beisteuerten. Die „Zelleschen Beiträge zur heitern und würdigen Unterhaltung“ hatten einen Umfang von acht Seiten. Der Name war Programm.

Beneken selbst schrieb im Juli 1817, die Beilage böte „sich als eine gefällige, würdige Gesellschafterinn an. In der Sammlung, Mischung, Verarbeitung eines mannigfaltigen Unterhaltungsstoffs, strebte sie zu gefallen. Allen konnte und wollte sie nicht genügen; aber sich mit allen zu befreunden durch eine heitere Darstellung, das wollte sie, und das wird ferner ihr Zweck sein.“

Der Preis für ein Vierteljahres-Abonnement betrug 12 „gute Groschen“ und war im Voraus zu bezahlen. Wer den Anzeiger ausdrücklich ohne die Unterhaltungsbeilage bestellte, hatte für ein Vierteljahr lediglich sechs „gute Groschen“ zu zahlen. Die „Beiträge zur heitern und würdigen Unterhaltung“ konnten jedoch nicht separat bestellt werden.

Das „Expeditions-Geschäft“, also Vorbestellungen und Anzeigenannahme, wurde ab Neujahr 1818 ausgelagert. Nicht mehr in der Druckerei Schweiger & Pick an der Mauernstraße 41, sondern beim Copiisten F.C. Schmalz am Großen Plan wurden die Anzeigenkunden und Zeitungsbesteller nun bedient. Auswärtige konnten sich hingegen an ihr jeweiliges Postamt wenden, das Königliche Postamt in Celle besorgte dann die Bestellungen.

Konzessionsweitergabe am 12. März 1818

Bereits am 12. März 1818 gab Georg Beneken die Konzession zur Herausgeberschaft an Ignaz Schweiger und Conrad Pick weiter. Beneken war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Er verlor zu dieser Zeit auch seine Pfarrstelle in Nienhagen und zog im Sommer 1818 in das Werk- und Arbeitshaus in Hannover. Unterhaltungsbeiträge für den Zelleschen Anzeiger lieferte er gegen Honorar allerdings noch bis August 1819. Am 24. Januar 1824 starb Georg Beneken im Alter von 59 Jahren. Einen Nachruf bekam er damals leider nicht im von ihm mitbegründeten Blatt.

Seit dem 1. April 1818 erschien der Anzeiger unter dem Titel: „Zellescher Anzeiger nebst Beiträgen“. Die Unterhaltungsbeilage wurde eingespart, stattdessen die Beiträge in das Anzeigenblatt integriert, das allerdings weiterhin mit vier Seiten auskam. Seit Samstag, 4. April 1818, erschien das Blatt zweimal wöchentlich.

Conrad Pick hatte sich mittlerweile einer anderen Beschäftigung hingegeben. Er laborierte mit Johann Ernst Holste an der fabrikmäßigen Herstellung von Druckfarben (siehe Hintergrundkasten). Aus dem Druckereigeschäft hatte er sich immer mehr zurückgezogen.

Darüber kam es offenbar zum Streit zwischen Schweiger und Pick, in dem Rechtsanwälte bemüht wurden und in den der Celler Magistrat schließlich vermittelnd eingriff. Im Sommer 1821 einigten sich die beiden Geschäftspartner. Ignaz Schweiger konnte den Betrieb unter gemeinsamer Firmierung in Picks Haus an der Mauernstraße fortführen. Conrad Pick blieb eine Art stiller Gesellschafter.

Die noch junge Erfolgsgeschichte der Celleschen Zeitung konnte weitergehen.