Nachfolge wurde 1833 geregelt

Ignaz Schweiger und Conrad Pick eröffnen 1813 gemeinsame Druckerei

Eine der wichtigen Grundvoraussetzungen für die heute bereits acht Generationen umspannende Erfolgsgeschichte der CZ-Verlegerfamilie war, dass die Gründerväter Ignaz Schweiger und Conrad Pick ihre Nachfolge noch zu Lebzeiten geregelt hatten.

Pick hatte sich aus dem Geschäft bereits weitestgehend zurückgezogen und keine eigenen Kinder. Er gab sich mit einem Gewinnanteil zufrieden. Schweigers 1803 geborener Sohn, Friedrich Wilhelm Adolph, hatte 1829 in Hannover geheiratet und ging seinen eigenen Weg. Mehr dazu im Hintergrundkasten.

Ignaz Schweiger fand stattdessen im Bruder seiner Schwiegertochter, dem Buchdrucker Christian Friedrich Wilhelm Heuer aus Hannover, seinen Nachfolger. Er sollte Druckerei und Zeitung übernehmen und im Sinne des Gründers und der Familie weiterführen.

Am 19. Juli 1833 kaufte Heuer die Firma Schweiger & Pick. Mit den Firmengründern einigte er sich wie folgt: „Auf Lebenszeit“ erhielt Ignaz Schweiger von Heuer die Hälfte des Reingewinns. Nach Schweigers Tod sollten den Erben 1600 Reichstaler gezahlt werden. Conrad Pick erhielt, ebenfalls auf Lebenszeit, jährlich 100 Reichstaler von Heuer.

Pick hatte nicht mehr viel Nutzen von dieser Abmachung. Er starb nur einen Monat und zehn Tage nach Vertragsabschluss. Aus dem Nachlass des Verstorbenen kaufte Heuer am 7. Oktober 1833 das Haus Mauernstraße 41 für 1820 Reichstaler.

Bereits am 7. September 1833 hatte Friedrich Wilhelm Heuer von der „Königlich-Großbritanisch-Hannoverschen Landdrostei“ in Lüneburg die Erlaubnis erhalten, die Druckerei Schweiger & Pick weiterführen und auch den „Celleschen Anzeiger“ weiter herausgeben zu dürfen.

Schweigers 1805 geborene Tochter, Johanna Wilhelmine, heiratete schließlich am 26. November 1833 den fünf Jahre jüngeren Bruder ihrer Schwägerin. Damit war die Fortführung des Familienbetriebes gesichert. Als Franz Ignaz Schweiger am 20. November 1835 starb, lief die von ihm unter Entbehrungen mitbegründete Druckerei ohne Störung weiter. Sein junger Schwiegersohn, Friedrich Wilhelm Heuer, versicherte seinen Kunden in den „Celleschen Anzeigen“ am 16. Januar 1836:

„Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, meine Officin stets mit den neuesten und geschmackvollsten Schriften zu versehen und alle geneigten Aufträge prompt und billigst auszuführen, und erlaube mir, darauf die angelegentliche Bitte zu gründen, mir das Wohlwollen und Vertrauen gütigst zu erhalten, dessen sich die obige Firma seit einer langen Reihe von Jahren in so hohem Maße zu erfreuen hatte.“

Das Haus an der Mauernstraße ließ Heuer 1836 von Grund auf neu bauen. Außerdem investierte er ein Vermögen in die neue Ausstattung der Druckerei und schaffte neue Schriften an. Den Zeitungstitel hatte er bereits 1834 in „Cellesche Anzeigen“ geändert.

Dem jungen Paar wurden zwei Töchter geboren, Minna und Clara. Das Glück schien fast perfekt. Doch am 11. Dezember 1837 starb Friedrich Wilhelm Heuer überraschend nach schwerem Fieber in seinem 28. Lebensjahr. Johanna Heuer übernahm sofort die Verantwortung für den Familienbetrieb. Am 15. Dezember beantragte sie die Übertragung der Konzession für Druckerei und Zeitungsverlag, die ihr am 7. Januar 1838 bestätigt wurde.

Am 17. Januar 1838, genau zwei Jahre und einen Tag nach der ähnlich lautenden Bekanntmachung ihres nun verstorbenen Mannes, wendete sich die junge Witwe ausführlich an die Leser der Celleschen Anzeigen:

„Den hohen Behörden und dem verehrlichen Publikum zeige ich hiermit gehorsamst an, daß die von meinem sel. Vater in Verbindung mit seinem Collegen Pick im Jahre 1813 hier gegründete, 1835 als Eigenthum auf meinen mir kürzlich in der Blüte seines Lebens durch den Tod entrissenen Gatten Friedrich Wilhelm Heuer übergegangene und unter der bis dahin bestandenen Firma ‚Schweiger und Pick‘ fortgeführte Buchdruckerei, künftig in ihrem ganzen Umfange und unter derselben Firma für meine Rechnung fortgesetzt werden wird.

Für die Leitung der Buchdruckerei selbst ist ein in allen Zweigen des Geschäfts völlig ausgebildeter und erfahrener achtungswerther Mann [K.E. Harder] als Factor von mir angestellt. Mit der größten Sorgfalt wird derselbe bemüht sein, den vortheilhaften Ruf, dessen sich meine Officin durch ihre vollständige Einrichtung, prompte und correcte Ausführung der ihr gewordenen Aufträge und billige Preisstellung seit einer bedeutenden Reihe von Jahren erfreut, zu erhalten und dieselbe mit allem geschmackvollen Neuen, was die vorzüglicheren Etablissements für die elegante Ausstattung des Typendrucks ferner hervorbringen werden, immer zeitgemäß zu bereichern.

Herr Commissionair F. C. Schmalz hieselbst, der langjährige treue Freund sowohl meines sel. Vaters als meines sel. Gatten und nun auch Mitvormund meiner Kinder, hat sich gütigst bereit finden lassen, die Führung der Bücher und der Casse zu übernehmen. Derselbe ist daneben von mir autorisiert, über alle in meiner Officin besorgt werdenen Drucksachen die Rechnungen zu extrahieren, deren Beträge in Empfang zu nehmen und darüber zu quitieren. Die in solcher Beziehung von Herrn Schmalz ertheilt werdenden Quittungen werde ich stets als von mir selbst ausgestellt anerkennen.

Auf die oben bemerkten Verhältnisse, unter welchen meine Druckerei künftig ihren geregelten Fortgang haben und allen billigen Ansprüchen genügen wird, erlaube ich mir die angelegentliche Bitte um gütige Erhaltung des derselben bisher geschenkten Wohlwollens zu stützen.

Celle, den 15. Januar 1838. Fr. Wilh. Heuer´s Witwe, geb. Schweiger, Firma: Schweiger- und Pick’sche Buchdruckerei“

Mehr als 30 Jahre lang leitete Johanna Heuer die Geschicke der Druckerei und des Verlags. Ihr gelang in kleinen Schritten der weitere Ausbau. In den politisch unruhigen Jahren 1848 und 1849 öffnete sie das Blatt vorübergehend für Meinungsbeiträge, kehrte aber schnell wieder zur Form des „braven Intelligenzblattes“ zurück. Der Versuch, ab Mai 1848 eine liberale Wochenschrift mit dem Titel „Die Reform“ zu etablieren, scheiterte an mangelnder Nachfrage des Celler Publikums.

Erst ab 1862 wurden kurze lokale Nachrichten in den „Celleschen Anzeigen“ veröffentlicht. Eine erste Schnellpresse von König & Bauer wurde 1865 in Betrieb genommen. Seit April 1861 erschien das Blatt wöchentlich dreimal und ab Dezember 1866 schließlich viermal pro Woche.

Aber auch die Konkurrenz schlief nicht. Seit 1852 brachte der Drucker Eduard Schöne ein „Cellesches Kreisblatt“ heraus, das er in der ehemaligen Schulze’schen Druckerei herstellte. Schöne scheitere letztlich an den verschärften Pressegesetzen von 1855 und starb 1860. Seine Druckerei hatte Karl Harder gekauft, der von Neujahr 1865 bis November 1866 die erste „Cellesche Zeitung“ herausgab. Auch er scheiterte letztlich aber beim Versuch, den etablierten „Celleschen Anzeigen“ Konkurrenz zu machen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger nahm Johanna Heuer 1867 ihren Schwiegersohn Ignaz Schweiger in die Redaktion der „Celleschen Anzeigen“ auf. Er scheint den Anforderungen nicht gerecht geworden zu sein und schied nach kurzer Zeit wieder aus. Stattdessen gründete er 1869 eine eigene Zeitung mit dem Titel „Cellesche Nachrichten“. Sie erschien allerdings nur unregelmäßig und ging spätestens 1874 ein.

Im Sommer 1868 übergab Johanna Heuer die redaktionelle Verantwortung schließlich an ihren zweiten Schwiegersohn, Georg Heinrich Pfingsten. Sie konnte sich nun endlich aus dem Geschäft zurückziehen und starb 1888 in der Gewissheit, das Familienunternehmen für die nachkommenden Generationen bewahrt zu haben.