Georg Heinrich Pfingsten übernimmt

Ignaz Schweiger und Conrad Pick eröffnen 1813 gemeinsame Druckerei

1869 wurde die Cellesche Zeitung amtliches Kreisblatt und seit 1881 erscheint sie täglich.

Georg Heinrich Pfingsten kam wohl 1816, im Alter von drei Jahren, nach Celle. Zu diesem Zeitpunkt soll der in England geborene Junge noch kein Deutsch gesprochen haben. Der Vater verbot ihm später, Soldat zu werden und schickte ihn stattdessen in eine kaufmännische Lehre nach Hannover.

Nach fünf harten Lehrjahren am Steintor ging Georg Heinrich zunächst als Handelsgehilfe nach Harburg, bevor er nach Celle zurückkehrte und unter anderem bei Näsemann und Schultz arbeitete. Er fing dann als Verkäufer für die Lachendorfer Papierfabrik Drewsen an. 1846 war in Lachendorf die erste Papiermaschine angelaufen und hatte die Produktion vervielfacht.

Im Revolutionsjahr 1848 hielt sich Pfingsten als Handelsreisender in Kassel auf. Kurz danach kaufte er in Celle ein Haus unmittelbar an der Allerbrücke. Allerdings durfte er dort kein Geschäft eröffnen, weil das Haus außerhalb des Stadtwalls stand. Er verkaufte es wieder und eröffnete stattdessen seine Papierhandlung, vermutlich zunächst an der Kanzleistraße, später am Nordwall 57.

Am 20. November 1855 heiratete Pfingsten in Celle Clara Johanne Alwine Heuer, die 19-jährige Tochter der Buchdruckereibesitzerin und Zeitungsverlegerin Johanna Heuer. Das Paar hatte drei Kinder: Georg Wilhelm Adolf, geboren am 10. August 1856, Hermann, geboren am 13. Januar 1858 und Anna, geboren am 29. Januar 1870. Sie wuchsen am Nordwall auf und sollen eine recht unbeschwerte Kindheit gehabt haben, mit ihrer jungen lebenslustigen Mutter und dem stets zu Scherzen aufgelegten Vater.

Georg Heinrich Pfingsten betrieb seinen Papierhandel zunächst weiter, vor allem als Handelsvertretung der Lachendorfer Papierfabrik. Im Sommer 1868 trat er schließlich – im Alter von 55 Jahren – als verantwortlicher Redakteur in das Familienunternehmen Schweiger & Pick ein.

Es waren politisch schwere Zeiten. Celle war seit 1866 preußisch. Ein großer Teil der Bevölkerung hatte sich allerdings noch nicht ganz daran gewöhnt. Pfingsten war somit eine gute Wahl als Repräsentant der Firma. Er galt als welfentreu wegen der Vorgeschichte seines Vaters (siehe Hintergrundkasten). Dadurch stand er nicht auf der Subventionsliste der preußischen Verwaltung und genoss eher das Vertrauen der Bevölkerung. Er war aber auch gewandt und erfahren und verstand es, sich den herrschenden Verhältnissen anzupassen. Keinesfalls wollte er eine reine Welfenzeitung herausgeben.

Die damals übliche Kaution, die Zeitungsverleger hinterlegen mussten, zwang ihn ohnehin zu einer unkritischen Berichterstattung. Für die Cellesche Zeitung hatte die neue, preußische Regierung die Kaution von 1000 auf 3000 Taler erhöht und damit sichergestellt, dass die Redaktion in ihrem Sinne berichtete. Die Kautionspflicht wurde erst mit dem neuen Reichspressegesetz von 1874 eingestellt.

Von entscheidender Bedeutung für die kommende Entwicklung der Celleschen Zeitung war seinerzeit die Ausweitung des Verbreitungsgebiets. Die preußische Verwaltung hatte die Celler Altstadt 1869 mit den Vorstädten vereinigt, was die potenzielle Leserschaft der „Celleschen“ bereits etwa verdoppelt hatte. Vom Status des „Amtlichen Kreisblatts“ und der damit verbundenen Erlaubnis, amtliche Bekanntmachungen und Gerichtssachen des Landkreises drucken zu dürfen, hing nun der weitere Erfolg ab.

Denn die Konkurrenz schlief nicht. Mit der unter preußischer Regierung endgültig aufkommenden Gewerbefreiheit versuchten immer mehr Drucker, sich in Celle zu etablieren. Es kam zu mehreren Zeitungsgründungen, denen jedoch letztendlich keine lange Lebenszeit vergönnt war.

Georg Heinrich Pfingsten musste sich allerdings bewegen, um die Vormachtstellung des Traditionsblattes zu verteidigen. Unterstützung hatte er dabei vor allem durch seinen „Mitarbeiter Öttling“.

Ab 2. Februar 1869 änderte Pfingsten den Titel in: „Cellesche Zeitung und Anzeigen“. Der neue Untertitel „Kreisblatt für den Kreis Celle (die Städte Celle und Burgdorf, die Ämter Celle, Burgdorf und Burgwedel)“ machte deutlich, dass die „Cellesche“ den begehrten Kreisblatt-Status bekommen hatte. Offensichtlich hatte die preußische Regierung, trotz der welfennahen Vergangenheit der Pfingstens, mehr Vertrauen zum Geschäftsführer eines Traditionsbetriebs als zu finanzschwächeren Konkurrenten. Pfingsten bekam den Vorzug vor dem Celler Buchdrucker Anhold und seinem Partner Rumpeltin, die seinerzeit von Burgdorf aus ein Wochenblatt herausgaben und es statt der CZ zum Kreisblatt machen wollten.

Das Absatzgebiet der Celleschen Zeitung wuchs durch den Kreisblatt-Status entscheidend und mit ihm auch die Auflage. Jedoch konnte bei der damaligen Größe des Einzugsgebietes, es reichte bis vor die Tore Hannovers, nicht an alle Orte die aktuelle Tageszeitung geschickt werden. Die Infrastruktur war nicht entsprechend ausgebaut, so dass zunächst noch nicht das volle Potenzial dieser Gebietserweiterung ausgefüllt werden konnte. Mit der neuen Kreiseinteilung von 1885 fielen die Bereiche Burgwedel und Burgdorf wieder heraus.

Ab April 1869 vergrößerte Pfingsten das Format der Zeitung. Aus dem kleinen Blättchen wurde eine Zeitung im etwa heutigen Zeitungsformat. Auch inhaltlich entwickelte sich die Cellesche Zeitung weiter. Der redaktionelle Teil wurde deutlich ausgeweitet und in die Rubriken „Lokales“, „Aus der Provinz“ und „Rundschau“ eingeteilt. Es gab jetzt auch politische Berichte. Die Celler mussten jetzt nicht mehr zwingend auswärtige Zeitungen abonnieren, wenn sie überregionale politische Nachrichten lesen wollten.

Ausführlich wurde seinerzeit beispielsweise die Wahlkampfauseinandersetzung zwischen dem national-liberalen Celler Juristen Planck und dem sozialdemokratischen Harburger Tischlergesellen York dargestellt. Patriotisch wurde es, als am 22. Juli 1870 am Bahnhof Celler Soldaten für den Krieg gegen Frankreich verabschiedet wurden. In den folgenden Monaten brachte die „Cellesche“ Bekanntmachungen über Einberufungen, Lazarettdienste und Liebesgaben.

Extrablätter verkündeten Siege und in der Zeitung fanden sich längere Artikel über das Frontleben und Berichte darüber, wie es im „Feindesland“ aussah. Über den Sieg von Sedan wurde ebenso berichtet wie über die Kaiserproklamation im Januar 1871 in Versailles.

Bei alledem kam die „Cellesche“ noch ohne die heute üblichen fetten Überschriften aus.

Besondere Aufmerksamkeit erweckten das „Freudenfeuer auf dem Wildgarten“ und die „Illumination der Stadt“, anlässlich des ausgerufenen Friedens am 5. März 1871.

Am 3. Juli 1871 rückten die „77er“ in Celle ein und bezogen hier ihre neue Garnison. Von den Cellern begeistert bejubelt und von der „Celleschen“ entsprechend begleitet. Von nun an gab es öfter mal Berichte von Manövern.

Der Umfang des redaktionellen Teils nahm gegenüber dem Anzeigenteil zu. Zur wirklichen Tageszeitung entwickelte sich die „Cellesche“ aber erst 1881, denn Neujahr 1881 wurde auf tägliches Erscheinen umgestellt. Jeden Tag, außer montags, erschien von nun an eine Cellesche Zeitung. Zu dieser Zeit betrug die Auflage im Sommer etwa 1500 und im Winter 1800 Zeitungen.

Wenn abends die Seiten gesetzt waren, wurden Kontrollexemplare zur Polizei und zum Landratsamt gebracht. Gedruckt wurde dann bis in die Nacht. Am nächsten Tag verteilte ein Austräger die Zeitungen in der ganzen Stadt – zuletzt abends an der Hannoverschen Straße.

Als Georg Heinrich Pfingsten am 15. Mai 1883 überraschend an einem Herzschlag starb, hatte er die Cellesche Zeitung gut aufgestellt. Er gab ihr nicht nur den heutigen Namen und das Format, sondern seinem Nachfolger mit dem Kreisblatt-Status auch die weitere Richtung vor. Pfingstens älterer Sohn Georg Wilhelm Adolf übernahm die Geschäftsführung für seine Mutter.