Zeitungsauflage stieg stetig an

Ignaz Schweiger und Conrad Pick eröffnen 1813 gemeinsame Druckerei

Georg Wilhelm und Hermann Pfingsten führten durch Kaiserzeit ins 20. Jahrhundert

Georg Wilhelm Adolf Pfingsten wurde am 10. August 1856 in Celle geboren. Er soll bereits als Kind sehr technikbegeistert gewesen sein. Auf dem Dachboden des Elternhauses am Nordwall experimentierte er mit Dampfmaschinen, Morseapparaten und beobachtete die Sterne. Später legte er, im ersten Jahrgang des 1877 am Nordwall eingerichteten „Realgymnasiums“, das Abitur ab.

Seiner Begabung folgend studierte Georg Wilhelm anschließend Mathematik und Naturwissenschaften in Tübingen, später in Berlin und Göttingen.

Unterbrochen wurde sein Studium durch die Militärpflichtzeit bei der Celler Artillerie. Doch sie endete bereits nach wenigen Monaten, nachdem Pfingsten durch einen Pferdetritt recht schwer an den Rippen verletzt worden war. Nach langem Lazarettaufenthalt wurde er als Soldat entlassen und nahm sein Studium wieder auf.

Es lief vielversprechend und Georg Wilhelm Pfingsten konnte an eine wissenschaftliche Karriere denken. Doch anhaltende, verletzungsbedingte Magenschmerzen behinderten ihn zwischenzeitlich immer wieder, so dass er erst 1882 seine Doktorarbeit anmelden konnte.

Als am 15. Mai 1883 überraschend sein Vater starb, kehrte der 26-jährige Georg Wilhelm nach Celle zurück. Er musste feststellten, dass Elternhaus und Geschäft finanziell stark belastet waren und seine Mutter und Schwester Anna bei einem Verkauf der Firma mittellos zurückgeblieben wären. Daraufhin übernahm er am 19. Mai 1883 als Geschäftsführer seiner Mutter die Verantwortung für den Familienbetrieb Schweiger & Pick.

Seine wissenschaftliche Karriere beendete Georg Wilhelm Pfingsten. Am 8. Juli 1884 heiratete er in Celle Margarethe Quietmeyer. Sie war die Schwester seines besten Freundes aus der Nachbarschaft am Celler Nordwall. Ihr Vater war Ernst Quietmeyer, der Mitbegründer und erste Leiter der „Spar- und Leihkasse“ (spätere Kreissparkasse).

Georg Wilhelm und Margarethe Pfingsten bekamen Ende Januar 1885 ihre Tochter Clara. Der 1890 geborene Georg wurde leider nur ein Jahr alt. Aber am 26. August 1896 wurde ihnen Ernst Pfingsten geboren. Er sollte später das Familienunternehmen erfolgreich weiterführen.

Die wirtschaftliche Entwicklung nahm in Celle am Ende des 19. Jahrhunderts einen sehr vielversprechenden Verlauf. Durch aufstrebende neue Industriezweige und lebhaften Handel florierten die Geschäfte in der Stadt und auch das Anzeigenaufkommen und die Abonnenten der Celleschen Zeitung nahmen zu.

Mit Fleiß und Sparsamkeit gelang es Georg Wilhelm Pfingsten, die Schulden abzubauen und den Betrieb finanziell zu stabilisieren.

Mit dem steigenden Arbeitsvolumen wurde nun aber der Platz für Verlag und Druckerei an der Mauernstraße zunehmend knapper. Georg Wilhelm Pfingsten musste ausbauen. 1888 wurde das Dach des Geschäftshauses auf der Rückseite ausgebaut und 1889 das Rückgebäude verlängert.

Bedauerlicherweise kam es 1889 zu einem Brand auf dem Dachboden. Zwar konnte das Feuer schnell gelöscht werden und es kam zu keinen größeren Schäden am Gebäude, aber das Firmenarchiv wurde ein Raub der Flammen. Sämtliche alten Geschäftsunterlagen und wichtige Informationsquellen für die Firmengeschichte gingen dabei verloren. Glücklicherweise waren die gesammelten CZ-Ausgaben nicht dort verwahrt worden, sondern im Hause des Verlegers. Somit blieben sie der Nachwelt erhalten.

Weniger Glück hatte Georg Wilhelm Pfingsten seinerzeit in Familienangelegenheiten. Seine 16-jährige Schwester Anna war gemeinsam mit der Mutter 1886 aus Celle weggezogen. Sie zogen zunächst ins sächsische Pirna, wo ihr Bruder Hermann seinerzeit als Leutnant diente. In den folgenden Jahren entfremdete Anna die Mutter zunehmend von den Brüdern. Ihre stetig steigenden Unterhaltsforderungen belasteten nicht nur die Firma, sondern auch den Familienfrieden. Schließlich wurde sich gerichtlich geeinigt.

Georg Wilhelms zwei Jahre jüngerer Bruder Hermann half ihm, Schwester und Mutter endgültig auszuzahlen, und stieg 1904 in das Familienunternehmen ein.

Hermann Pfingsten hatte nach dem Abitur in Celle einen anderen Weg eingeschlagen als sein Bruder. Er studierte zunächst einige Semester Jura in Tübingen, begann dann aber eine Offizierskarriere bei einem sächsischen Artillerieregiment in Pirna. In Berlin hatte Hermann 1900 die deutlich jüngere Charlotte Seegers geheiratet. Sie soll sehr lebenslustig gewesen sein. Die Familie vermutete, dass die umtriebige Ehefrau der Grund dafür war, dass Hermann Pfingsten 1902 als Major den Dienst quittierte und mit seiner Frau nach Celle zurückkehrte. Offiziell beendete er seine Militärlaufbahn wegen eines Nierenleidens, das ihn beim Reiten behinderte.

Hermann hoffte wohl, dass Charlotte mit den zivilen Verhältnissen besser zurechtkäme als mit den militärischen. Doch der Versuch scheiterte und die Ehe wurde geschieden.

Für die Firma aber war es ein großes Glück, dass Hermann Pfingsten 1902 nach Celle zurückgekehrt war und 1904 in das Familienunternehmen Schweiger & Pick einstieg. Bereits in ihrer Kindheit waren die beiden Brüder immer eng verbunden gewesen. Hermann übernahm nun die Redaktion und wurde wieder zu Georg Wilhelms treuestem Partner.

Mit seiner geradlinigen und gewandten Art bewährte sich Hermann Pfingsten bei seiner neuen Aufgabe. Der redaktionelle Teil erblühte unter seiner Leitung und er weitete auch den Lokalteil aus. Ein Eilbriefsystem sorgte damals bereits für die Aktualität der Nachrichten.

Gemeinsam modernisierten die Brüder die Druckerei. Neue Maschinen wurden aufgestellt, um die stetig steigende Auflage bewältigen zu können (siehe unterer Beitrag). Das Geschäftshaus an der Mauernstraße wurde 1906 umgebaut und das Hintergebäude nochmals erweitert.

Der allgemeine wirtschaftliche Boom kam aber nicht nur der Firma Schweiger & Pick zugute, sondern beflügelte auch die Konkurrenz. Im Besonderen war der amtliche Kreisblattstatus weiterhin umkämpft. Neue Tageszeitungen und Anzeigenblätter drängten auf den Markt und versuchten, dem Traditionsblatt Abonnenten und Anzeigenkunden abzuringen.

Ab 1889 versuchte wieder der Burgdorfer Drucker Rumpeltin, eine „Neue Celler Zeitung“ zu etablieren. Speziell für den Landkreis Celle zugeschnitten, brachte er als Nebenausgaben die „Bergener Nachrichten“ und den „Anzeiger für Winsen an der Aller“ heraus. Ab 1896 erschien ein „Celler Tageblatt“ und scheiterte ebenso bald wie der „Celler Anzeiger“. Etwas länger hielt sich ab 1902 „Der Haidbote“. Vom zunächst wöchentlich zweimaligen Erscheinen arbeitete sich dieses Blatt bis zur Tageszeitung hoch, ging aber 1905 endgültig wieder ein. 1906 kam offenbar für kurze Zeit eine „Allerpost“ in Celle heraus und von 1908 bis 1921 erschien von Gifhorn aus ein welfisch orientiertes „Celler Tageblatt“.

Weihnachten 1906 wurde erstmals der „Celler Kurier“ in der Stadt verteilt. Das Blatt wurde zunächst von Peine aus gedruckt und verlegt. Ab 1. Januar 1908 übernahm dann der Celler Otto Naumann Druck und Verlag des „Celler Kurier“. Redakteur war August Pohl. Es kamen auch Nebenausgaben für Winsen, Wietze und Eschede heraus, was die Ambitionen des Herausgebers auf größere Marktanteile verdeutlichte.

Für die Pfingsten-Brüder bestand trotz der wachsenden Konkurrenz jedoch kein Grund zur Beunruhigung. Geschäftlich ging es aufwärts. Georg Wilhelm war der Verleger und Hermann leitete die Redaktion. Mit Fleiß und Eintracht brachten die Brüder die Cellesche Zeitung durch die Kaiserzeit in das 20. Jahrhundert.