Menschen sind uns wichtig! Eine Zeitung für Menschen zu machen, bedeutet nicht nur, über sie zu berichten, sondern auch, ihre Wünsche, Sorgen und Nöte aufzunehmen, ernst zu nehmen und die Möglichkeiten zu nutzen, sich über eine Berichterstattung hinaus zu engagieren.

Vor diesem Hintergrund entstand 1995 aus einem breit gefächerten sozialen Engagement der Celleschen Zeitung die Aktion „Mitmenschen in Not“. Was als Weihnachts-Spendenaktion zur Unterstützung Hilfsbedürftiger in und um Celle begann, ist inzwischen zu einem gemeinnützigen Verein geworden, der ganzjährig um Spenden wirbt und Hilfsmaßnahmen unterstützt.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Fast 2,4 Millionen Euro wurden bislang allein aus den in der Weihnachtszeit gespendeten Geldern ausgeschüttet.

Empfänger der Leistungen sind laut Vereinssatzung „hilfsbedürftige Menschen in Stadt und Landkreis Celle“. Außerdem werden auch Einrichtungen, Vereine und Gruppen bedacht, die sich anerkannt sozial engagieren. So erhalten unter anderem die Celler Tafel, die Essenszeit, die Bahnhofsmission, aber auch das Onkologische Forum, das Projekt Brückenbau sowie zahlreiche Jugendhilfe- und Stadtteilprojekte regelmäßig Förderbeträge für ihre Arbeit.

Längst tun sich in unserer Wohlstandsgesellschaft Lücken auf, geraten scheinbar sichere Lebensplanungen in Schräglage, folgen Notlagen und Armut. Gegen Schicksalsschläge ist niemand gefeit: Egal ob durch Krankheit, Trennung, Unglücksfälle oder gar Tod – die Betroffenen sehen sich ad hoc aus ihrem Alltag gerissen und werden mit Problemen konfrontiert, die sie oft überfordern und deren Lösung sie ohne Unterstützung nicht leisten können. Im Gegenteil: Viele Menschen sind allein auf sich gestellt und auf Hilfe von außen angewiesen.

Regelmäßig in den Wochen vor Weihnachten berichtet die Cellesche Zeitung exemplarisch für viele nicht genannte und dennoch unterstützte Fälle von menschlichen Schicksalsschlägen, die zu Notlagen geführt haben. Dabei erfassen diese Beispiele nur die Spitze eines mächtigen Eisbergs. Nach Angaben der Niedersächsischen Landesarmutskonferenz ist mittlerweile fast jeder sechste Niedersachse armutsgefährdet; dazu kommt die Zahl derer, die durch einen Schicksalsschlag zumindest vorübergehend in eine ernste Notlage geraten.

Die Unterstützung, die Betroffene aus dem Spendenaufkommen von „Mitmenschen in Not“ erhalten, kann keine allgemeine Lebenssituation verändern, aber sie ist doch oft mehr als nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“. Manchmal ist es eine Starthilfe – in eine neue Zukunft, ein neues Zuhause, ein neues Leben. Wie bei Sophie oder Matthias, die als alleinstehende Jugendliche dank der CZ und großzügiger Unterstützung durch ortsansässige Fahrschulen ihren Führerschein machen konnten und jetzt ihre Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsstätten selbstständig erreichen können.

Oder Anne Bucher (alle Namen wurden aus Datenschutz von der Redaktion schon in der ursprünglichen Berichterstattung geändert), die mit ihren Kindern und Unterstützung des Jugendamts 2015 einem gewalttätigen und nachstellenden Ehemann mit nur zwei Koffern entkam und aus Spendenmitteln einen Teil der wesentlichen Wohnungseinrichtung bekam – wie unzählige andere, die wegen Trennung, Bedrohung, Brands oder Hochwassers, Zerfalls und Gesundheitsschädigung ihre bisherigen Wohnungen verlassen mussten, ohne die notwendige Ausstattung zu haben. Dazu handwerkliche Arbeiten oder professioneller Einsatz gegen Schimmelbefall – „Mitmenschen in Not“ hilft in akuter Not.

Andere Schicksalsschläge sind unabänderlich – die Not trifft auch das Umfeld. Lebensbedrohliche Krankheiten, Behinderungen und Tod: 2012 half die Aktion der 38-jährigen, unheilbar an Krebs erkrankten Sabine Polt, noch einmal mit ihrer wasserbegeisterten siebenjährigen Tochter Urlaub in den Center Parcs zu machen. Auch die knapp 60-jährige krebskranke Beate Böhm hatte 2014 einen letzten Wunsch – mit ihrer Tochter über den Celler Weihnachtsmarkt zu schlendern und sich Bratwurst und gebrannte Mandeln leisten zu können. Oder Elfriede Bauer, die sich nach ihrer Chemo- und Strahlentherapie eine erhoffte Perücke leisten konnte. Für den 16-jährigen Schüler Ben Bucher, der innerhalb von vier Jahren erst den Vater und dann die Mutter verlor, hat die CZ im Jahr 2015 in Kooperation mit einem Steinmetzbetrieb die Anfertigung und Aufstellung eines Grabsteins ermöglicht – auch dies kein Einzelfall.

Dank der Spenden für „Mitmenschen in Not“ erhielten verzweifelte Eltern die notwendigen Zuschüsse zum Eigenanteil für Prothesen, Gehhilfen, Therapiemaßnahmen, Cremes, Salben und Medikamente, die von Krankenkassen nur anteilig getragen und somit nicht bezahlbar gewesen wären. Spenden aus der CZ-Aktion sorgten für notwendiges Schulmaterial, ein Geschenk unterm Weihnachtsbaum, notwendige Winterjacken und -stiefel, aus denen die Kinder herausgewachsen waren und die neuen Sachen nicht aus dem Haushaltsbudget hätten bezahlt werden können, oder für ein warmes Essen zu den Feiertagen. Dank der Spender hatten auch zahlreiche Familien und alleinstehende Rentner über den Winter eine warme Wohnung, weil eine ausstehende Heizkostenrechnung beglichen oder der Öltank neu gefüllt werden konnte.

In jedem Fall, in dem „Mitmenschen in Not“ hilft, wird die Sachlage zuvor von Fachleuten der Kirchen und sozialer Dienste von Stadt und Landkreis Celle geprüft. Dies gilt selbstverständlich auch für jene Fälle der Unterstützung, über die nicht in der CZ berichtet wird. Und noch eine Regel steht: „Um Missbrauch zu vermeiden, erhalten die Betroffenen zur Unterstützung kein Bargeld, sondern wir begleichen die Rechnungen“, so Chefredakteur Ralf Leineweber, der seit der Gründung im Jahr 2010 auch Vorsitzender des Vereins „Mitmenschen in Not e.V.“ ist.