So schön handgeschrieben wie in den mehr als 100 Jahre alten Bilanzbüchern der CZ wird die Buchhaltung des Unternehmens heute nicht mehr geführt. Heutzutage lebt ein Zeitungsverlag oft in Form von Excel-Listen.

So eine Tageszeitung: Das ist ein Haufen kreativer Individualisten. In ihr Handgepäck gehören Notizblock und Bleistift. Als Alphatiere verlieren Chefredakteur und Blattmacher nie den Überblick über die Informationen, die sich tagtäglich über all jene Köpfe ergießen. Das ist eine Tageszeitung. So will es das Klischee.

Jede Tageszeitung erscheint in einem Verlag. Und der ist ein Wirtschaftsunternehmen. Dort herrschen Excel-Tabellen. Dort muss Geld verdient werden. Unter anderem mit der Tageszeitung. Und da beginnt ein Dilemma. Zumindest ein ethisches. Denn „die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt“. So will es Paragraf drei des niedersächsischen Landespressegesetzes.

Objektiv, unabhängig, kritisch: Das sind die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Für einen Journalismus, der nicht durch wirtschaftliche Interessen beeinflusst oder gar gesteuert wird. Doch damit dieser unabhängige Qualitätsjournalismus überhaupt möglich ist, braucht es zwei Dinge: Leser, die bereit sind, am Kiosk oder per Abonnement Geld für eine Zeitung auszugeben. Und es braucht Werbekunden, die redaktionelle Inhalte einer Tageszeitung und deren Leserschaft so spannend finden, dass sie genau dort Platz für ihre Anzeigen buchen möchten. Ein Verlag verdient also mit Abogebühren, am Kiosk und mit Anzeigen das Geld, das unabhängigen Journalismus erst möglich macht.

Und genau das ist die Stelle, an der wirtschaftliche Interessen eines Verlages auf inhaltliche Interessen einer Redaktion treffen. Können. Ja sogar: Müssen. Ein Verlag muss Geld verdienen. Journalisten müssen – unabhängig von wirtschaftlichen Interessen – recherchieren, schreiben, veröffentlichen.

Und dann kommt die Ethik ins Spiel. In einem Zeitalter, in dem in sozialen Medien praktisch jeder zum Berichterstatter wird, ist schnell vergessen, dass professionelle Publizisten eine Verantwortung haben. Gegenüber der Öffentlichkeit. Diese Verantwortung gebietet, „dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden“. Nachzulesen im Pressekodex, Ziffer 7.

Dieser Konflikt ist ebenso alt wie das Medium Tageszeitung. Um ihn zu entschärfen, sind Redaktion und Verlag in einem Medienunternehmen getrennt. Auch wenn böse Zungen gelegentlich anderes behaupten, von „Lügenpresse“ und „gekauftem Journalismus“ reden: Doch, die Redaktion der Celleschen Zeitung ist unabhängig. Und das ist gut so. Und wichtig. Wegen der öffentlichen Aufgabe. Um Politikern und Unternehmern, um Richtern und anderen öffentlich handelnden Personen kritisch auf die Finger zu schauen. Um jeden Tag spannenden, relevanten Lesestoff zu bieten, der sorgfältig recherchiert und nach allen Regeln journalistischer Handwerkskunst den Weg ins Blatt findet.

Diese redaktionellen Inhalte zu vermarkten – an Leser wie an Werbekunden – dafür ist ein Verlag verantwortlich. Und dafür, dass ein unsichtbares Räderwerk hinter der Redaktion geräuschlos funktioniert. Tag für Tag: Dass die Druckmaschine rechtzeitig anläuft. Dass genügend Druckfarbe und Papier vorrätig sind. Dass die Zeitung pünktlich zum Weitertransport in Stadt und Landkreis verladen wird. Dass die Zusteller bei Sturm und Schnee und Dunkelheit die Cellesche Zeitung in jeden Briefkasten stecken. Auch das ist ein Tageszeitungsverlag. Sein Erfolg ist also gleichermaßen abhängig von seriöser, vertrauenswürdiger Berichterstattung wie von Lesern und Anzeigenkunden.

Um erfolgreich zu bleiben, muss der Verlag der Celleschen Zeitung stets offen sein für Veränderungen. Vor allem, was seine Finanzierungsstruktur angeht. Waren es einst die Werbeerlöse, die einem Tageszeitungsverlag die meisten Einnahmen bescherten, so sind es heute die Abonnenten. Ja, ganz richtig: Die Abonnenten sind der Schatz einer Tageszeitung. Denn der Werbemarkt hat sich massiv gewandelt. Schuld ist, das lässt sich leicht ahnen, natürlich dieses Internet. Die sogenannten Rubrikenmärkte, also all die Kfz- und Immobilienanzeigen ebenso wie der Stellenmarkt: Sie hat das Internet aufgefressen. Mit komfortablen Portalen, die zu Platzhirschen im virtuellen Raum mutiert sind. Die Tageszeitungen haben es nicht geschafft, nationale Gegengewichte zu diesen Entwicklungen zu etablieren. Geschweige denn, sich auf ein gemeinsames Modell zu einigen. Im Internet Geld verdienen mit redaktionellen Inhalten oder Werbung: Das ist bis heute eine große Baustelle für alle Verlage.

Andererseits hat dieses Internet aber auch dazu geführt, dass die Werbemöglichkeiten für Anzeigenkunden um ein Vielfaches größer geworden sind. Die Welt im Jahr 1817 war, bezogen auf ihren Werbemarkt, doch deutlich einfacher strukturiert: Die Cellesche Zeitung – damals noch ein reines Anzeigenblatt – war ein realer Platzhirsch. Ein Monopolist! Sie war der einzige glaubwürdige Werbeträger. Und das war sie für sehr lange Zeit. Weder das Radio, geschweige denn das Fernsehen waren damals erfunden. Und selbst als im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts das Radio auf dem Vormarsch war und ab 1950 auch das Fernsehen und mit ihm später der Bildschirmtext seinen Siegeszug antrat: Selbst dann war die Anzeige von Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen in der Celleschen Zeitung eine gesellschaftliche Pflicht. Und keine Statusanzeige bei Facebook. Das nennt man wohl: gesellschaftlichen Wandel.

Doch gerade angesichts dieses Wandels ist es wichtig, dass ein Tageszeitungsverlag sich auf seine Stärken besinnt und weiß, wofür er im Jahr 2017 steht: nämlich für Nähe zu Lesern und Kunden sowie für glaubwürdige Berichterstattung, der Leser und Kunden vertrauen. „Damit sind wir unschlagbar im Vergleich zu anderen Werbeträgern“, sagt Verlagsleiter Carsten Wießner. „Journalistische Qualität und Glaubwürdigkeit sind die obersten Kriterien: Deshalb vertraut man uns. Und: Wir sind vor Ort, nah an Lesern und Anzeigenkunden.“

Und nah dran an den Menschen in Stadt und Landkreis Celle: Die Zeitung engagiert sich mit „Mitmenschen in Not“. Die Verlegerfamilie übernimmt mit der „Pfingsten‘schen Stiftung“ soziale Verantwortung für bedürftige Menschen in der Region. Mitarbeiter der Tageszeitung sind in Gewerbe- und Wirtschaftsvereinen aktiv, um mit ihren Ideen und ehrenamtlichem Engagement die Wirtschaft vor Ort weiter voranzubringen. So entsteht Nähe. Zwischen den Menschen und ihrer Tageszeitung.

Diese Nähe, das Vertrauen ist eine solide Basis. Damals wie heute. Dieser Wandel im Verlagsgeschäft ist jedoch inzwischen eher Tagesgeschäft als Ausnahmeerscheinung, wie Carsten Wießner erläutert: „Wir haben uns aufgrund der Herausforderungen am Werbe- und Lesermarkt neu aufgestellt: Wir arbeiten sehr viel lösungsorientierter im Bezug auf unsere Kunden. Wir sind schneller geworden, was die Zustellung angeht, aber auch die Verbreitung unserer Nachrichten. Wir haben für Leser wie für Anzeigenkunden neue, spannende Produkte entwickelt: Online-Portale, Newsletter, Mediabox, gedruckte Magazine. Für unsere Anzeigenkunden sind wir deshalb heute zum Problemlöser geworden, entwickeln individuelle Werbekonzepte, damit diese Kunden am Markt erfolgreich sind. All das sind Prozesse, in denen wir uns als Verlag täglich weiter verbessern, um uns für die Zukunft zu wappnen. Bei allen Veränderungen, die schneller als je zuvor auf uns zukommen, wollen wir unsere Dynamik behalten.“ Der Verlagsleiter stellt dabei auch klar: „Trotz aller Entwicklungen am Online-Markt, den wir in der Region aktiv mitgestalten, glauben wir nach wie vor an Print – und an das geschriebene Wort auf Papier. All diese dynamischen Veränderungen im Verlag, die Erschließung der virtuellen Märkte: All das ist nötig, um auch in Zukunft unabhängigen Journalismus und glaubwürdige Nachrichten für Celle und den Landkreis überhaupt möglich zu machen.“