Intelligenzblatt unter Zensur

Die erste Ausgabe vom Celleschen-Anzeiger, erschienen am 2. April 1817. Sie hatte vier Seiten, etwa im Format DIN A5. ©CZ-Archiv

Georg Ernst Friedrich Schulze versuchte, vermutlich im Jahr 1814, das alte Privileg gegen Schweiger und Pick einzuklagen, hatte aber versäumt, es zwischenzeitlich verlängern zu lassen und wurde abgewiesen. In den folgenden Jahren wurden vor allem lokale und juristische Schriften bei Schweiger & Pick gedruckt.

Das herausragende Produkt des Verlages erschien erstmalig am Mittwoch, den 2. April 1817: Die Erstausgabe der heutigen Celleschen Zeitung trug den Namen „Zellescher Anzeiger“ und wies mit etwa 22 mal 17 Zentimetern noch kein heute übliches Zeitungsformat auf. Auch der Umfang des Anzeigers war mit vier Seiten überschaubar. Den Inhalt bildeten Inserate, die in verschiedene Rubriken untergliedert waren. Aktuelle oder gar politische Berichte fehlten völlig. Allerdings bekamen die Abonnenten eine Beilage mitgeliefert mit dem Titel „Zellesche Beyträge zur heiteren und würdigen Unterhaltung“, die schöngeistige Texte und Abhandlungen enthielt und zur Bildung und geistigen Erbauung dienen sollte. Die Beilage hatte mit acht Seiten den doppelten Umfang des Anzeigers.

Der „Zellesche Anzeiger“ war ein sogenanntes Intelligenzblatt. Die Obrigkeit fürchtete die Verbreitung von umstürzlerischen, sprich: demokratischen Gedanken. Gedruckte Publikationen unterlagen darum strenger Zensur. Laut Konzession hatte sich der Herausgeber „darauf zu beschränken, bloße Privat-Anzeigen, keineswegs aber gerichtliche oder sonstige obrigkeitliche Bekanntmachungen und eben so wenig politische Nachrichten aufzunehmen“. Darüber wachte in Celle Oberappellationsrat Strohmeyer.

Kurhannover verfolgte weiterhin ein restriktives Pressekonzept und lehnte die meisten Gesuche auf Zeitungskonzessionen ab. Der „Zellesche Anzeiger“ war eine der wenigen Ausnahmen.

Dass überhaupt so früh eine Genehmigung erteilt wurde, war Pastor Georg Beneken zu verdanken. Ihm traute die Regierung in Hannover offenbar und gestattete die Herausgabe eines „Celleschen Wochenblattes“. Er sollte garantieren, dass ausschließlich unverfänglich Schöngeistiges veröffentlicht wurde.

Beneken gab die Konzession am 12. März 1818 an Schweiger und Pick weiter, schrieb aber weiterhin Unterhaltungsbeiträge. Seit dem 1. April 1818 erschien das nun „Zellescher Anzeiger nebst Beiträgen“ genannte Blatt zweimal pro Woche: mittwochs und samstags. Die Beilage wurde eingestellt und die Unterhaltungsbeiträge stattdessen in den Anzeiger aufgenommen, der weiterhin mit vier Seiten auskam.

Von April 1826 bis Juni 1827 druckten und verlegten Schweiger und Pick das von Professor Schütz aus Hamburg herausgegebene „Mittagsblatt für gebildete Leser aus allen Ständen“. Es war als Unterhaltungsblatt für das Königreich Hannover konzipiert und brachte auch überregionale Nachrichten. Wegen mangelnder Nachfrage wurde es wieder eingestellt. Die Leser waren offensichtlich noch nicht so weit.

Mit dem „Zelleschen Anzeiger“ setzte die Firma ihre Erfolgsgeschichte jedoch fort und etablierte eine der langlebigsten Zeitungen in Niedersachsen.