Erfolgsrezept von acht Generationen: Bereitschaft zur Entwicklung

In den zurückliegenden 200 Jahren hatten die Verleger der Celleschen Zeitung immer wieder richtungsweisende Entscheidungen zu treffen. Die bis heute sehr erfolgreiche Entwicklung des Blattes belegt, dass dabei offenbar häufiger richtig als falsch entschieden wurde.

Die erste wegweisende Entscheidung war der Zusammenschluss des Schriftsetzers Ignaz Schweiger mit dem Buchdrucker Conrad Pick im Jahr 1813. Doch was wäre diese Firmengründung wert gewesen, wenn die nach der französischen Besatzung wieder eingesetzte kurhannoversche Regierung sie nicht gutgeheißen hätte? Entscheidend für die Erfolgsgeschichte der Firma Schweiger & Pick war also auch die Bestätigung durch die provisorische hannoversche Regierung. Am 4. Februar 1814 teilte der zuständige Beamte Niezer mit: (…)„finden wir uns bewogen ihnen zu gestatten; daß sie ihre Buchdruckung, worauf sie während der Westphälischen Verfassung patentiert gewesen sind, vorerst und bis zu weiterer Verfügung fortzusetzen.“ Das alte Privileg der Celler Hofbuchdruckerei Schulze hatte damit keine Bedeutung mehr.

Die Kooperation der Firma Schweiger & Pick mit dem Schriftsteller und Pastor aus Nienhagen, Georg Beneken, war der entscheidende Schritt, um eine Wochenschrift in Celle zu etablieren. Dauerte die Rolle des Pastors als Herausgeber auch nur ein knappes Jahr, so war sie dennoch Voraussetzung, dass in den politisch unruhigen Zeiten überhaupt eine Zeitung genehmigt wurde.

Der wirtschaftliche Erfolg stellte sich allerdings nicht sofort ein. Kontinuierlich baute die Verlegerfamilie das Blatt aus und verteidigte es später erfolgreich gegen jede aufkommende Konkurrenz.

Erschien die Zeitung anfangs nur einmal in der Woche, kam sie bereits ab 1. April 1818 zweimal wöchentlich heraus, – außer mittwochs nun auch samstags. Seit April 1861 erschien der Anzeiger dreimal wöchentlich, nämlich dienstags, donnerstags und samstags, und ab Dezember 1866 zusätzlich auch sonntags. Georg Heinrich Pfingsten stellte dann ab Neujahr 1881 auf tägliches Erscheinen (außer montags) um. Bis zum Früherscheinen sollte es allerdings noch über 100 Jahre dauern. Erst im Mai 1987 kamen die Leser in den Genuss, ihre „Cellesche“ bereits zum Frühstück lesen zu können.

Ebenso wie der Erscheinungsrhythmus hat sich auch der Titel der Zeitung weiterentwickelt. Das Ursprungsblättchen hieß „Zellescher Anzeiger“ und war noch recht kleinformatig. Erst die zweite Verlegergeneration führte ab Neujahr 1834 die Schreibweise „Cellesche Anzeigen“ ein. Unter Leitung des ersten Pfingsten kam dann ab 2. Februar 1869 der heute vertraute Name „Cellesche Zeitung“ auf. Damals allerdings noch mit dem Zusatz „und Anzeigen“. Privatanzeigen standen jetzt nicht mehr im Vordergrund. Der redaktionelle Teil war mittlerweile deutlich ausgeweitet worden, und auch ein umfangreicher Lokalteil sowie politische Berichte gehörten selbstverständlich dazu.

Ab Februar 1869 vergrößerte sich das Absatzgebiet der „Celleschen“ entscheidend. Sie war nun offizielles Kreisblatt für den Landkreis Celle. Auch das Zeitungsformat war seit April 1869 deutlich größer und entsprach etwa dem heutigen „Berliner Format“.

Den Ersten Weltkrieg und die anschließende Inflationszeit überstand die Firma ebenso wie die zwölfjährige NS-Diktatur. Unter Ernst Pfingsten gelang 1934 der Umzug an den heutigen Standort und auch der weitere Ausbau des Unternehmens. Zwar wurde die „Cellesche“1943 mit dem NSDAP-Blatt „Celler Beobachter“ zwangsfusioniert, konnte sich aber eine gewisse Selbstständigkeit bewahren.

Nach Kriegsende blieb die Cellesche Zeitung zunächst verboten, bis es nach Aufhebung des Lizenz-Zwangs ab 1. Oktober 1949 weitergehen durfte.

Technisch wurde der Betrieb stetig weiter ausgebaut und die Druckerei 1974 in einen Neubau in Klein-Hehlen ausgegliedert. Computer hielten mehr und mehr Einzug und veränderten die Arbeit der Redakteure und technischen Mitarbeiter.

Grundvoraussetzung für die mittlerweile acht Verlegergenerationen umspannende Erfolgsgeschichte des Verlags war stets die Bereitschaft zur Weiterentwicklung.