Zwei Brüder leiten durch den Ersten Weltkrieg

Dieses Foto der Gesamtbelegschaft schickte Hermann Pfingsten (Mitte) 1911 als Grußkarte an seinen Bruder Georg Wilhelm in den Erholungsurlaub im Thüringer Wald. ©CZ-Archiv

Nach der Jahrhundertwende ging es mit der Wirtschaft in Celle zunächst gut voran. Davon profitierte auch die Firma Schweiger & Pick durch mehr Druckaufträge. Das Anzeigenaufkommen und die Auflage der Celleschen Zeitung wuchsen.

Außerdem machte die Technisierung weitere Fortschritte. 1904 hielt die erste Setzmaschine bei Schweiger & Pick Einzug. Und 1908 wurde eine kleine Rotationsmaschine für Zeitungs- und Mengendruck angeschafft. Sie konnte einen vierseitigen Bogen bedrucken und schaffte davon etwa 12.000 pro Stunde. Dies genügte für die damaligen Verhältnisse vollkommen, denn 1913 betrug die tägliche Auflage der Zeitung etwa 5000 Exemplare.

Als die Druckerei Schweiger & Pick am 28. Juni 1913 ihr 100-jähriges Bestehen feierte, konnten alle mit Recht stolz auf das Erreichte sein. Die Belegschaft hatte das Geschäftshaus mit Blumen geschmückt und überreichte den Inhabern, Georg Wilhelm und Hermann Pfingsten, eine große gerahmte Collage mit den Konterfeis der damals 17 Mitarbeiter. Anschließend wurde im Hotel Hannover gefeiert.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs stoppte 1914 diese positive Entwicklung. Zwar waren nun etliche Extrablätter und Bekanntmachungen zu drucken und der Umfang der Celleschen Zeitung nahm dadurch zunächst zu, aber die Ereignisse und der zunehmende Mangel am Lebensnotwendigsten machten auch der Firma schwer zu schaffen. Verordnungen schränkten die tägliche Arbeit ein. Beispielsweise wurde das knappe Papier nun zugeteilt. Der Verbrauch sollte auf die Hälfte des Vorkriegsbedarfs gesenkt werden. Die Cellesche Zeitung wurde im Verlauf des Krieges wieder dünner. 1918 umfassten die Ausgaben nur vier Seiten, wie in den Anfangsjahren des Blattes.

Auch die Qualität nahm ab. Gründe dafür waren die immer schlechtere Beschaffenheit des Kriegspapiers und der Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Der Großteil der männlichen Belegschaft war an der Front, und sämtliche Arbeit musste nun von den Frauen geleistet werden.

Die damalige Mitarbeiterin Sophie Lohmann berichtete später davon. Sie war 1907 als Hilfsarbeiterin zum Verlag Schweiger & Pick gekommen und hat dann mehr als
27 Jahre lang dort gearbeitet. Die anstrengende Zeit des Ersten Weltkriegs hat sie hautnah miterlebt. Demnach hatte Sophies Kollegin Franziska als einzige die Drucker-Gesellenprüfung abgelegt und bediente die Druckmaschine. Christine Hartmann, Emma und Toni Timm, Gertrud Wolf und Emma Vollmer arbeiteten in der Handsetzerei. Fräulein Cammann bediente die Monoline-Setzmaschine. Frau Fleck und Frau Dose betreuten die Annoncen-Annahme. Sie hatten wechselnde Mädchen als Schreibhilfen. Nur mit vereinten Kräften gelang es damals, jeden Tag eine Zeitung herauszubringen.

Sophie Lohmann brachte die fertigen Zeitungen mit ihrem Handkarren zur Post. Sie musste dafür meist viermal hin und her laufen. Die Pfingsten-Brüder halfen tatkräftig im Betrieb mit und verausgabten sich dabei entsprechend. Den Familienbetrieb aber retteten die beiden über die entbehrungsreiche Zeit des Ersten Weltkriegs.