Gleichgeschaltet durch die NS-Zeit

Die Nationalsozialisten machten den „Tag der nationalen Arbeit" zum gesetzlichen Feiertag. Erstmals hatten alle arbeitsfrei. Auch die Belegschaft der Celleschen Zeitung marschierte am 1. Mai 1933 mit. ©CZ-Archiv

Zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die Cellesche Zeitung ein bürgerlich-nationales Blatt. Die Tendenz der Artikel war durchaus demokratiekritisch. Die NSDAP wurde weder hofiert noch bekämpft.

Die sozialdemokratische Presse wurde 1933 verboten, und liberale Zeitungen gerieten unter großen Druck. Die „Cellesche“ durfte hingegen bis 1945 weiter erscheinen. Dank der ohnehin recht nationalen Ausrichtung des Blattes fiel es nicht schwer, den Ansprüchen der neuen Machthaber gerecht zu werden. Zudem neigte der zuständige NS-Gauleiter Otto Telschow offenbar dazu, traditionelle Familienbetriebe in seinem Einflussbereich zu stützen.

Die Aufgabe der Presse war es nun nicht mehr, Themen zu diskutieren, sondern die Entschlüsse der Regierung zu vermitteln. Journalismus wurde zur staatlich geregelten, öffentlichen Aufgabe, und Schriftleiter wie Verleger gerieten in eine beamtenähnliche Abhängigkeit. „Presseanweisungen“ legten die Themenauswahl fest, regelten Form und Ausführlichkeit der Berichte und bestimmten sogar die Zielsetzung der Kommentare.

Wichtigstes Instrument zur Gleichschaltung der Presse war das Schriftleitergesetz vom 4. Oktober 1933. Alle Journalisten mussten einen Lehrgang mit Prüfung zum Schriftleiter durchlaufen und einen „Ariernachweis“ liefern. Juden wurden ausgeschlossen. Ein entsprechender Fall ist bei Schweiger & Pick jedoch nicht bekannt.

Die Einstellung und Entlassung der Schriftleiter musste von der Reichspressekammer genehmigt werden. Hauptschriftleiter Ernst Pfingsten war den Machthabern gegenüber für den Inhalt der Zeitung verantwortlich und hatte über die Einhaltung der geltenden Gesetze zu wachen.

Darüber hinaus gab es personelle Verflechtungen. Hans Nolte war seit Februar 1939 politischer Schriftleiter der „Celleschen“ und gleichzeitig Kreispresseamtsleiter der NSDAP. Er gab auch die „Celler Kriegsbriefe“ für Frontsoldaten heraus, für die zahlreiche namhafte Celler Beiträge lieferten. Als Nolte im Februar 1942 an die Front zog, übernahm Ernst Pfingsten die Herausgabe der „Celler Kriegsbriefe“.

Dank systemkonformer Anpassung konnte der Verlag weiter ausgebaut werden. 1940 wurde eine große, gebrauchte Zwillingsrotationsmaschine angeschafft. 1941 übernahm das Celler Traditionsblatt die Uelzener „Niedersächsische Volkszeitung“.

Wegen des zunehmenden Papiermangels wurde die Cellesche Zeitung immer dünner. Ab Januar 1942 erschien sie nur noch auf vier Seiten. Am 1. April 1943 erfolgte die Zwangsfusion mit dem „Celler Beobachter“, der wegen des Rohstoffmangels eingestellt wurde. Künftig tauchte der „Beobachter“ nur noch als Untertitel der Celleschen Zeitung auf.

Die letzte Ausgabe erschien wohl am 11. April 1945, kurz vor dem Einmarsch der Briten in Celle. Bis Juni 1945 kamen unregelmäßig Notausgaben heraus, die vor allem Bekanntmachungen der Besatzungsmacht verkündeten. Die Cellesche Zeitung blieb verboten. Ab September 1945 musste Hauptschriftleiter und Verleger Ernst Pfingsten für neun Monate in ein Internierungslager. Ihm wurde vorgeworfen, eine nationalsozialistische Zeitung herausgegeben zu haben.