Nachkriegszeit und Neubeginn

Kostenlose Probenummern am 24. September 1949, um Leser zurückzugewinnen. ©CZ-Archiv

Nach Kriegsende blieb die Cellesche Zeitung rund vier Jahre lang verboten. Grund war das generelle Berufsverbot gegen die sogenannten Altverleger, die zur Zeit der NS-Diktatur Zeitungen herausgegeben hatten. Der Betrieb und das Firmenvermögen der Celleschen Zeitung wurden beschlagnahmt und unter treuhändige Verwaltung des bisherigen Prokuristen Sommerfeld gestellt.

Die Druckerei an der Bahnhofstraße lief allerdings weiter auf Hochtouren. Zahlreiche Publikationen in verschiedenen Sprachen, wie Englisch, Polnisch und Tschechisch, waren im Auftrag der Alliierten zu drucken. Drucker unterschiedlicher Nationalitäten tummelten sich im Verlagshaus. Es herrschte internationales Flair.

Auch lizenzierte deutsche Zeitungen wurden hergestellt – wie die „Deutsche Volkszeitung“, die in 18 Bezirksausgaben und hoher Auflage erschien. Sie wurde seit 1947 bei Schweiger & Pick gedruckt, fusionierte 1949 mit den „Hannoverschen Neuesten Nachrichten“ zur „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ und erschien bald darauf mit einer eigenen Lokalausgabe als „Celler Allgemeine Zeitung“.

Ernst Pfingsten scheiterte zunächst mit seinen Versuchen, eine Lizenz für seine Zeitung zu erhalten. Noch am 29. August 1949 lehnte der „Beratende Presseausschuss für Niedersachsen“ ein entsprechendes Gesuch um Zulassung der „Neuen Celleschen Zeitung“ ab. Daran änderte auch nichts, dass Georg Pfingsten und Hermann Mariaux als Antragsteller auftraten. Weil Ernst Pfingsten als Darlehensgeber dahinter stand, wurde die Lizenz verweigert. Erst nach Aufhebung des Berufsverbots für Altverleger und Wegfall des Lizenzzwangs im September 1949 konnte die Cellesche Zeitung wieder erscheinen.

Mit dem Konkurrenzblatt „Celler Allgemeine Zeitung“ entbrannte sogleich ein regelrechter „Zeitungskrieg“. Im Kampf um Abonnenten fuhren Lautsprecherwagen durch die Stadt und mit Plakataktionen sollten Leser und Anzeigenkunden gewonnen werden. Ernst Pfingsten ließ kostenlose Probenummern verteilen, um die angestammte Leserschaft zurückzugewinnen. Das Interesse war groß. „Wir sind da“ prangte auf Transparenten am Verlagshaus. Alle Celler sollten erfahren, dass die „Cellesche“ die „einzige Celler Heimatzeitung“ war, weil nur sie in Celle hergestellt wurde.

Der Plan ging auf, und das Wiedererscheinen wurde zum Erfolg. Mit dem Mitbewerber einigte man sich und übernahm einen Großteil der bisherigen Abonnenten der „Celler Allgemeinen“. Die „Cellesche“ hatte ihre Monopolstellung zurück.

Nun musste dringend investiert werden. Weil Bilder in der Zeitung eine immer größere Rolle spielten, wurde der Dachboden über dem Setzersaal zur neuen Klischeeanstalt ausgebaut. Modernste Geräte kamen hier ab 1951 zum Einsatz.

Nachdem bereits viele Kriegsheimkehrer in der Druckerei Arbeit gefunden hatten, konnten nun auch die Redakteure wieder ihre Arbeit aufnehmen. Unter ihnen waren auch solche, die bereits während des Krieges für die Cellesche geschrieben hatten.

Stellvertretend genannt werden soll hier Hans Nolte, der in der NS-Zeit nicht nur politischer Schriftleiter bei der Celleschen Zeitung war, sondern der hiesigen NSDAP auch als Kreispresseamtsleiter diente, bevor er mit der Waffen-SS an die Front gezogen war. Nach Kriegsende, Gefangenschaft und Internierung übernahm Nolte nun die Ressorts Sport und Wirtschaft. Außerdem war er für die Heimatvertriebenen-Beilage „Fern doch treu“ zuständig.

Nicht nur in Noltes Beiträgen wurde hin und wieder deutlich, dass sich einige noch nicht von den Inhalten der Nazi-Ideologie abgewendet hatten. Die „Cellesche“ war in dieser Hinsicht ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland.

Bis zum Tod von Ernst Pfingsten 1966 leiteten Vater und Sohn das Unternehmen gemeinsam. Dann übernahm Georg Pfingsten die alleinige Verantwortung. Er lagerte die Druckerei 1974 an den Bremer Weg aus, weil für die neue leistungsstarke Offset-Rollenrotationsmaschine an der Bahnhofstraße kein ausreichender Platz vorhanden war. 1976 hatten dann die alten Bleisatzmaschinen ausgedient, denn bei Schweiger & Pick wurde mit dem Fotosatz begonnen. Technisch blieb die Firma somit auf der Höhe der Zeit.