Vokabeln aus der Welt der Zeitung

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Es ist schon ziemlich angenehm, wenn Enten nichts mit einer Druckerpresse zu tun bekommen. ©Ulrich Frassl

Sie wissen nicht, was Gautschen ist oder was ein Umbruch mit einer Zeitung zu tun hat? Das folgende Abc gibt einen kleinen Überblick darüber, welche Begriffe bei der Produktion einer Zeitung eine Rolle spielen oder gespielt haben.

Anreißer
Dabei handelt es sich um einen kurzen Text, der auf einen Artikel hinweist.

Buch
Jede Zeitung besteht aus verschiedenen Teilen, die jeweils in einem Arbeitsgang gedruckt werden. Diese Teile nennt man Produkte oder Bücher. Sie werden lose ineinandergelegt und sind für den Leser als einzelne Teile erkennbar. Von Montag bis Freitag besteht die Cellesche Zeitung aus vier Büchern, am Samstag sind es acht.

Chiffre
Eine Zahlen-Buchstaben-Kombination, die vom Zeitungsunternehmen für private Anzeigen vergeben wird, die ohne Kontaktdaten wie Namen und Telefonnummer erscheinen sollen.

Divis
Fachsprachliche Bezeichnung für den Bindestrich. Er wird sowohl bei der Silbentrennung als auch zum Koppeln (Verbinden) zweier oder mehrerer Wörter verwendet.

Ente
So wird eine Falschmeldung genannt, die versehentlich oder absichtlich verbreitet wurde.

Flattersatz
Die Zeilenlänge variiert. Meist linksbündig, das heißt, die Zeilen laufen links bündig und rechts unterschiedlich – sie flattern eben.

Gautschen
Alter Buchdruckerbrauch, bei dem Setzer, Drucker und Stereotypeure nach Abschluss ihrer Lehrzeit in einer humorvollen Zeremonie in eine mit Wasser gefüllte Bütte oder auf einen großen nassen Schwamm gesetzt und zusätzlich mit Wasser begossen werden.

Hurenkind und Schusterjunge
Das Hurenkind ist eine scherzhafte Bezeichnung für ein am Anfang einer Kolumne oder – bei mehrspaltigem Satz – am Beginn einer Spalte stehendes Satzende. Der Schusterjunge ist im Gegenteil die erste Zeile eines Absatzes, die allein in der vorangegangenen Spalte steht.

Initiale (auch Initial)
Schmückender Anfangsbuchstabe, der am Beginn von Kapiteln, Abschnitten oder Artikeln gesetzt wird und meistens die Höhe von mehreren Zeilen aufweist.

Journalist
Alle Redakteure, Reporter, Fotografen sind Journalisten. Der Ausdruck ist der Oberbegriff für alle Berufsgruppen, die den Inhalt einer Zeitung gestalten.

Kunst haben
Ein von den Setzern gebrauchter Ausdruck für „Arbeit haben“. Diese Bezeichnung geht auf den Umstand zurück, dass die Arbeit des Buchdruckers von Alters her ebenso als Handwerk wie auch als Kunst verstanden wurde. Deshalb gilt auch im grafischen Gewerbe noch heute der Gruß „Gott grüß die Kunst“.

Leserbrief
Ein Leserbrief ist eine schriftliche Meinungsäußerung oder Information zu einem bestimmten Thema und bezieht sich im Normalfall auf einen Zeitungsartikel.

Makulatur
Im Druckwesen wird der Ausdruck Makulatur verwendet, um schadhafte oder fehlerhafte Papierbogen zu bezeichnen. Makulatur kann zum Beispiel beim Einrichten der Druckmaschine erzeugt werden. Fehldrucke kommen nicht in den Verkauf.

Newsdesk
Auf Deutsch heißt das Nachrichtentisch. Es handelt sich um den zentralen Anlaufpunkt einer Redaktion, an dem eintreffende Nachrichten einlaufen und bewertet werden.

Online
Neben der gedruckten Ausgabe einer Zeitung sind viele Verlage dazu übergegangen, Nachrichten auch via Internet zu verbreiten.

Pachulke
Scherzhafte Bezeichnung für einen ungeschickten Setzer mit zwei linken Händen und wenig Gespür für Gestaltung. Es galt aber auch schon mehr als Schimpfwort.

Quelle
Als Quelle, also als Ursprung einer Information, kommen neben Nachrichtenagenturen auch Pressesprecher, Augen- und Zeitzeugen oder Archive in Frage.

Ressort
Die verschiedenen Arbeitsbereiche in der Redaktion einer Zeitung heißen Ressorts. In jedem Ressort arbeiten speziell für diesen Arbeitsbereich zuständige Redakteure: Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur (Feuilleton), Lokales.

Schriftgrößen
Die verschiedenen Schriftgrößen haben auch alle einen bestimmten Namen: 5 Punkt = Perl, 6 Punkt = Nonpareille, 7 Punkt = Colonel, 8 Punkt = Petit, 9 Punkt = Borgis, 10 Punkt = Korpus, 12 Punkt = Cicero, 14 Punkt = Mittel, 16 Punkt = Tertia, 20 Punkt = Text, 24 Punkt = 2 Cicero, 28 Punkt = Doppelmittel, 36 Punkt = 3 Cicero und so weiter.

Typographischer Punkt
Kleinste Maßeinheit des typografischen Maßsystems (Didot-System). Ein Punkt entspricht 0,376065 Millimeter oder gerundet 0,376 Millimeter.

Umbruch
Die optische Gestaltung einer Zeitungsseite. Grundsätzlich ist die Seite in Spalten unterteilt. Innerhalb dieses Spalten-Schemas werden Texte, Überschriften, Fotos, Anzeigen gesetzt („umbrochen“).

Vierfarbdruck
Die Möglichkeit, durch Übereinanderdrucken der Grundfarben Magenta (Rot), Cyan (Blau), Gelb und Schwarz mit den entsprechenden Aufrasterungen farbige Originale wiederzugeben.

W-Fragen
Jeder Journalist muss die berühmten W-Fragen kennen, die von einer Nachricht beantwortet werden müssen: Was? Wie? Wo? Wer? Wann? Warum? Woher? Was ist passiert? Wie ist es passiert? Wo ist es passiert? Wer hat‘s getan? Wann geschah es? Warum überhaupt? Woher kommen die Informationen?

Zitat
Die Aussage eines Gesprächspartners wird wörtlich und in Anführungszeichen wiedergegeben. Überschrift Mit einer Überschrift steht oder fällt alles. Sie ist der erste … und vielleicht letzte Eindruck eines Lesers. Überschriften sind informativ. Sie gehören unbestreitbar zu den wichtigsten Teilen eines Artikels. Noch bevor der Leser beginnt, sich dem eigentlichen Text zu widmen, fällt beim Betrachten der Überschrift die Entscheidung darüber, ob ein Artikel für interessant, also lesenswert, gehalten wird oder nicht.