Zeitung für die Ohren: Initiative vertont CZ

Headset aufsetzen und Mikrofon an. Doris Rösch (links) und Simone Gärtner geben der Zeitung ihre Stimme. ©Oliver Knoblich

„Ruhe bitte.“ Zwar hängt kein „Aufnahme“-Schild in den Räumen der Celler Hörzeitung, aber diesen Hinweis benötigen die Sprecher auch nicht. Jeden Mittwoch zwischen 15 und 17 Uhr treffen sich Ehrenamtliche aus der Region in der Geschäftsstelle des Blindenvereins Nordost-Niedersachsen am Celler Nordwall, um Beiträge der Celleschen Zeitung für Blinde und Sehbehinderte einzusprechen. 14 Aktive engagieren sich seit mehr als 13 Jahren dafür, dass an 51 Wochen im Jahr die Celler Hörzeitung erscheint.

„Wir lesen die Zeitung nicht nur“, sagt die Cellerin Simone Gärtner. Vielmehr würden die Beiträge vom jeweiligen Sprecher redaktionell aufbereitet, redigiert oder gekürzt. Hierzu wählen dieEhrenamtlichen aus den sechs CZ-Ausgaben einer Woche jene aus, die für das Publikum relevant sind. Elf Rubriken umfasst die Hörzeitung, der Fokus liegt dabei auf den Nachrichten aus dem Lokalbereich. 80 Minuten Gesamtsprechzeit umfasst eine CD der Hörzeitung.

Das ist jede Woche aufs Neue eine sportliche Leistung für jeden Sprecher der Initiative. Obwohl sie mittlerweile schon alte Hasen seien, werde zu Hause noch kräftig geprobt, wie Gärtner zu berichten weiß. „Die aufbereiteten Artikel werden mit der Stoppuhr Probe gelesen. Wenn der Text live eingesprochen wird, ist es oft eine Überraschung, wie lange es tatsächlich dauert“, so die Redakteurin. 20 bis 40 Sekunden würde sie manchmal bei der Aufnahme langsamer lesen, berichtet sie.

Doch nicht nur die Sprecher, sondern auch der jeweilige Aufnahmetechniker ist gefordert. Er muss sämtliche Beiträge aufnehmen, dabei die Zeit der Sprechbeiträge überwachen, schneiden, Probe hören und die CDs brennen, Etiketten erstellen, und schließlich die Endkontrolle der jeweiligen Tonträger durchführen. Das kann schon ziemlich stressig werden – schließlich gehen die CDs noch am gleichen Abend in die Post.

Simone Gärtner war durch einen Anzeigenaufruf auf die Hörzeitung aufmerksam geworden. „An dem Tag war ich sozial aufgestellt“, erklärt die Sprecherin lachend ihre bereits über vierjährige Tätigkeit bei der Hörzeitung. Doch nicht nur Spaß und Freude am ehrenamtlichen Engagement haben sie zu der Celler Initiative geführt. Durch ihre Mitarbeit beim Radio und Stadtfernsehen in Hessen habe sie immer Bezug zur Medienbranche gehabt, sagt sie. Und auch die Arbeit einer Hörzeitung ist der Sprecherin nicht fremd, denn in Darmstadt hat sie bereits die lokalen Nachrichten für Blinde und Sehbehinderte in gleicher Weise aufbereitet.

Acht Leute – ein Headset: Für die Produktion der Weihnachts-CD lässt sich die Initiative immer etwas Besonderes einfallen. Quasi ein kleines Weihnachtsgeschenk für die zurzeit 22 Abonnenten der Hörzeitung. So entstand im vergangenen Jahr in Kooperation mit dem Schlosstheater ein Hörspiel mit unterschiedlichen Sprechern in verschiedenen Rollen – das war eine Herausforderung für die Aktiven. „Wir standen so dicht beieinander, dass wir unsere Textblätter gar nicht richtig lesen konnten“, erläutert Simone Gärtner lachend. Das kleine Mikrofon ging auf Wanderschaft, und natürlich habe es dabei auch kleine Abstimmungsprobleme gegeben. Aber das mache eben auch den Charme der Arbeit aus.