Wenn alle schlafen, ist Walter Hotze unterwegs

Auf Walter Hotze ist Verlass: Seit nunmehr 25 Jahren dreht der 90-Jährige in Wietzenbruch seine Runden. Das frühe Aufstehen macht ihm nichts aus. Am wichtigsten ist ihm, dass die Leser pünktlich zum Kaffee ihre CZ auf dem Frühstückstisch liegen haben. ©Alex Sorokin

Wenn es Walter Hotze durch die Straßen in Wietzenbruch zieht, schlafen die meisten noch. Draußen ist es dunkel, die Uhr zeigt 2.30 Uhr: Für den 90-Jährigen beginnt jetzt seine Tour. Sieben Straßen gehören zu seinen „Bezirk“ in dem der Rentner morgens die Cellesche Zeitung verteilt. Er ist damit Niedersachsens ältester Zusteller.

Seit 25 Jahren sorgt der Rentner dafür, dass die Wietzenbrucher pünktlich ihre Zeitung im Briefkasten haben. Wind, Regen, Schnee – alles kein Problem für Hotze. Mit der richtigen Kleidung ist er gegen jede Wetterlage gewappnet. Auch bei Glätte ist der 90-Jährige unterwegs, dann aber nicht wie gewöhnlich mit dem Fahrrad, sondern zu Fuß. „Ich fahre sehr gern und sehr häufig Fahrrad. Da kommt so schnell keiner mit“, betont er stolz.

Der älteste Zusteller Niedersachsens lebt die Philosophie „Morgenstund hat Gold im Mund“. Um Viertel nach eins steht er auf, um pünktlich seinen Dienst zu beginnen. Den festen Rhythmus hat er sich über die Jahre angewöhnt. Durch seine langjährige Arbeit im Gleisbau ist er es gewohnt, immer früh aufzustehen. Täglich verteilt er 83 Zeitungen in seinem Zustellgebiet. Bei manchen Haushalten muss er zusätzlich 100 Meter von der Straße bis zum Briefkasten laufen, doch das stört ihn nicht.

Seine Kunden kennen Hotze, doch selten kommt er in persönlichen Kontakt mit „seinen Lesern“. Doch wenn er nach gut dreieinhalb Stunden seine Zustellrunde beendet, sei schon mehr Leben auf den Straßen. Dann steht der Stundenzeiger seiner Armbanduhr auf sechs Uhr.
Zu Weihnachten bekommt der beliebte Zusteller aus Wietzenbruch dann auch schon mal ein kleines Dankeschön von seinen Kunden. Negative Erfahrungen hat der 90-Jährige bei seiner Arbeit noch nie erlebt. Auch den Mythos, dass Hunde nicht gut auf die Zusteller zu sprechen sind, kann der Rentner nicht bestätigen.

Nach Feierabend nimmt er dann auch selbst das gedruckte Produkt zur Hand. „Was so in der Welt passiert, lese ich in der CZ“, sagt er.

„Seine“ Zeitung will er auch noch weiterhin austragen. „Bis jetzt mache ich das sehr gern und werde dies tun, solange mich meine Beine tragen.“ Als ältester Niedersachse seines Berufes hat Hotze sogar einen Promistatus erreicht. Das Fernsehen begleitete ihn auf seiner nächtlichen Tour durch Wietzenbruch. Für die Kamera machte er extra langsam, denn das Kamerateam vom NDR war zu Fuß unterwegs. „Mit dem Rad bin ich viel schneller“, sagt der Rentner. Umso mehr freute er sich, als er nach den Dreharbeiten endlich wieder auf sein geliebtes Fahrrad steigen durfte, um seine CZ auszuliefern.