Jeden Tag ist irgendwann Schluss: Schluss mit dem Schreiben. Schluss mit Fotos aussuchen. Redaktionsschluss eben. Bei der Celleschen Zeitung ist das um 22 Uhr der Fall. Dann ist klar, was am nächsten Morgen in der Zeitung steht. Das ist in mehreren Redaktionskonferenzen im Laufe des Tages besprochen worden. Dann hat ein Korrektor alle Texte gegengelesen und der Spätdienst geprüft, dass die Zeitungsseiten technisch einwandfrei sind. Per Datenleitung landen sie per Mausklick digital im Druckzentrum in Klein Hehlen. Dort werden Druckplatten belichtet. Die sind aus Aluminium und 0,3 Millimeter dünn. Cyan, Magenta, Yellow, Black: Für jede Farbe gibt es eine Platte. Vier also für jede Seite. Sie werden in einem fotochemischen Verfahren belichtet.

Sind alle Seiten in der Druckplattenherstellung angekommen, alle Platten produziert und auf ein Gestell sortiert, beginnt der Druckprozess: Die Druckplatten werden in die Druckmaschine eingehängt. Erst langsam, später immer schneller und immer lauter beginnen die Farbwalzen der „Colora“ sich zu drehen. Am Leitstand prüfen die Drucker den Farbauftrag. Wieder und wieder fallen einzelne Zeitungen wie aus einer Rohrpost auf den Tisch. Mit einer Lupe kontrollieren die Experten den Farbauftrag, bis alle Passermarken exakt sitzen. Bis zu 10.000 Exemplare sogenannter Makulatur braucht jeder Andruck, bis die Zeitungen exakt von der Rolle laufen. Die legen bis zum Versand rund 100 Meter auf Förderbändern an der Hallendecke zurück, werden auf dem Weg ins Freie noch maschinell mit Beilagen bestückt.

Während im Inneren der Druckerei die frischgedruckten CZ-Ausgaben vom Band laufen und fein säuberlich von einer Maschine in Stapel verpackt werden, parken Janic Schönberg und Robert Walmsley draußen ihre weißen Transporter. Die beiden arbeiten für das Celler Speditionsunternehmen Speed Trans Logistik. Zusammen mit ihren Kollegen bringen sie die Zeitungen zu den 250 Zustellern in Stadt und Landkreis.

Um 22.15 Uhr landet das erste Zeitungspaket auf dem blauen Förderband, das die Ausgaben direkt bis ans Heck der Transporter bringt. Ein Zettel liegt obendrauf und zeigt alle Informationen auf einen Blick: für welche Route und welchen Zusteller das Paket bestimmt ist, an welcher Stelle es abgelegt werden soll und noch mehr.

Routiniert greift Walmsley nach dem Zeitungsstapel und platziert ihn in der vorderen linken Ecke seines Transporters. Das nächste Paket stellt er diagonal gegenüber. „Jeder hat sein eigenes System“, erläutert der 34-Jährige. Je nach Route und Ablageort werden die Pakete eingeladen. Mehr als 3600 Zeitungen verteilt Walmsley auf seiner Tour durch die Bezirke, etwa 500 Kilogramm Papier gehen nächtlich durch seine Hände. Gegen 23.15 Uhr verlädt er noch einzelne Fremdzeitungen aus Frankfurt und Hannover. Dann geht es los durch die Celler Innenstadt.

Um 0.30 Uhr fährt Walmsleys Kollege Schönberg mit seinem Wagen bei der Volksbank an der Hannoverschen Heerstraße vor. Dort erwartet ihn bereits Zusteller Detlev Gaidischki. Der 48-Jährige verteilt seit 2013 die CZ in Westercelle. Sein schwarzes Lastenfahrrad ist für die nächtliche Tour bestens ausgestattet: Vor dem Lenker sind zwei Taschen angebracht, am Gepäckträger hängen zwei weitere. Hinzu kommt ein Körbchen. Als Talisman verziert ein Stoffeisbär die Lenkstange.

Sobald alle 235 Zeitungen verladen sind, steckt Gaidischki als erstes eine CZ-Ausgabe in den Briefkasten der Volksbank. Anschließend schiebt er sein Rad den Nadelberg entlang. Seine Stirnlampe leuchtet dunkle Ecken aus. „Dann hab‘ ich die Hände frei“, erläutert der Westerceller. Die Adressen der Haushalte, die mit der CZ beliefert werden, hat er zwar dabei, aber: „Ich hab‘ alles im Kopf.“ Rund drei Stunden dauert seine Zustelltour. Die Arbeitszeit mitten in der Nacht stört Gaidischki nicht, für ihn überwiegen die Vorteile des Jobs: „Man ist sein eigener Chef, das macht mir Spaß.“

Um 2.30 Uhr macht sich die dienstälteste CZ-Zustellerin in Lachtehausen auf den Weg. Die 82-jährige Erika Palm transportiert die „Cellesche“ ebenfalls in den Satteltaschen ihres Fahrrads. Die Ausgaben werden direkt an ihre Haustür geliefert. Die Seniorin fährt von Haus zu Haus und schiebt die CZ-Exemplare in Briefschlitze oder Zeitungsrollen – und das seit 41 Jahren.

Am 1. Februar 1976 begann Erika Palm ihre Arbeit als Zustellerin, über die Jahrzehnte ist der nächtliche Dienst zur Routine geworden. „Das ist eine gute Stunde Sport“, findet sie. 70 Minuten braucht sie für ihre Tour durch den Ort, dann sind alle 33 CZ-Ausgaben und vier Fremdzeitungen verteilt. Im Winter dauert die Arbeit etwas länger: Bei Glätte und Schnee lässt die Seniorin das Fahrrad stehen und geht zu Fuß.

Angst hat Palm in der Dunkelheit nicht. „Wer mich nachts fängt, der lässt mich am Tag wieder laufen“, sagt sie lachend. Überengagierte Wachhunde macht sie sich mit Leckerlis zu Freunden. Ans Aufhören denkt die Lachtehäuserin noch nicht: „Solange ich es machen kann, mache ich es auch.“ Die Kunden sind ihr wichtig: „Das ist Dienst am Leser.“