350.000 D-Mark für Maximilians Herz

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Maximilian Ruddat erblickte mit einem schweren Herzfehler das Licht der Welt. Nur durch drei Operationen in den USA konnte sein Leben gerettet werden. Die CZ-Leser spendeten 1991 rund 350.000 D-Mark für den Jungen, der heute im Alter von 26 Jahren in Kiel studiert. ©Bernd Ruddat

Spenden für Menschen aus der Region können viel bewirken – und manchmal sogar Leben retten. Wie im Fall von Maximilian Ruddat, dessen Schicksal im Rahmen der CZ-Weihnachtsaktion 1991 die Leser bewegte und eine wahre Spendenflut auslöste.

Als Maximilian am 29. Oktober 1990 das Licht der Welt erblickte, erhielten seine Eltern Elisabeth und Bernd die schockierende Diagnose: Ihr Sohn wurde mit einem Herzfehler geboren. Beim hypoplastischen Linksherz-Syndrom ist die linke Herzkammer nur verkümmert ausgebildet und nicht funktionsfähig. Die Ruddats wurden von einem Arzt im Bremer Krankenhaus Links der Weser vor die Wahl gestellt: Entweder sie ließen ihr Neugeborenes sterben, hofften auf eine Herztransplantation mit geringen Chancen – oder aber sie unterzogen Maximilien in den USA einer Operation nach einer neuen Methode, die dort bereits erfolgreich umgesetzt worden war.

„Wir dachten uns: Wenn es diesen berühmten Herzchirurgen in Philadelphia gibt, könnte man Maximilian nicht dort hinbringen? Das war eigentlich nur eine Schnapsidee“, erinnert sich Bernd Ruddat an die dramatischen Stunden nach Maximilians Geburt. Doch mithilfe einer in Bremen arbeitenden amerikanischen Ärztin und der Deutschen Rettungsflugwacht organisierte die Familie kurzerhand den Transport nach Philadelphia zum Kardiologen William Norwood. „Ohne zu wissen, was das alles kostet“, sagt Bernd Ruddat, der damals als Polizist in Bremerhaven arbeitete und für die Kosten bürgte. „Aber es musste alles sehr schnell gehen.“

Schon wenige Tage nach der Geburt wurde Maximilian zum ersten Mal erfolgreich operiert, zwei weitere Operationen sollten im mehrmonatigen Abstand folgen. In der Zwischenzeit begannen Freunde, Kollegen und Nachbarn der Ruddats in Bremerhaven, Spenden zu sammeln. Auch Bundesligist Werder Bremen veranstaltete seinerzeit ein Benefizspiel.

Dann wurde Bernd Ruddat auf eigenen Wunsch nach Celle versetzt, um näher bei Eltern und Schwiegereltern zu wohnen. Die Familie zog im Juni 1991 mit Maximilian und dessen älterem Bruder Julian nach Endeholz. Bernd Ruddats neue Celler Polizeikollegen wandten sich damals an die Cellesche Zeitung und gaben den Anstoß dafür, dass Maximilians Schicksal im Rahmen der CZ-Weihnachtsaktion bekannt wurde.

Die Resonanz war überwältigend: Bei jedem Anlass wurde gesammelt, am Ende waren es rund 350.000 D-Mark, die für die dritte Herz-OP von Maximilian gespendet wurden – so viel wie bei keiner anderen Weihnachtsaktion der CZ überhaupt. Im Februar 1992 wurde Maximilian erfolgreich operiert. Insgesamt kamen in Celle sowie durch weitere Spendenaktionen mehr als eine Million D-Mark für ihn zusammen. „Wir konnten am Anfang gar nicht damit umgehen“, erinnert sich Bernd Ruddat, der noch immer voller Dankbarkeit von den zahlreichen Spendern spricht.

Die Verwaltung der Beiträge übernahm die Hilfsorganisation „Herzkind“ in Braunschweig. „Wir wollten, dass das Geld in guten Händen ist“, sagt der 58-Jährige. Nachdem die Kosten für Maximilians Behandlung dank der Spenden beglichen waren, kam das Geld anderen herzkranken Kindern zugute. Außerdem wurde der Maximilian-Forschungsförderpreis für wissenschaftliche Projekte vergeben.

Nach den OP-Strapazen war Maximilian „quietschvergnügt und fast gesund“. Er wuchs normal auf, fuhr leidenschaftlich gern Ski und machte mit
19 Jahren sein Fachabitur. „Dann hat das Herz den Löffel abgeben“, fasst Bernd Ruddat zusammen. Nach einer Routineuntersuchung hatte Maximilian einen leichten Herzinfarkt und litt anschließend an einer Lungenentzündung. „Da wurde das erste Mal von einer Herztransplantation gesprochen“, so Ruddat.

Maximilian erholte sich zunächst ein wenig. Während er auf ein Spenderherz wartete, begann er in Kiel Soziale Arbeit zu studieren. Im Mai vergangenen Jahres bekam der Student dann endlich sein neues Herz transplantiert. Nun kann der 26-Jährige sein Leben wieder in vollen Zügen genießen. „Es geht ihm super gut“, freut sich Bernd Ruddat.