Preisgekröntes Volontärsprojekt „Neue Heimat Celle“

Der ehemalige Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, und Jurysprecherin Heike Groll gratulierten den zur Preisverleihung nach Sindelfingen angereisten Volontären Alexander Hänjes, Johanna Müller und Kai Knoche (von links) sowie Chefredakteur Ralf Leineweber (rechts). ©Konrad-Adenauer-Stiftung

Heimat bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Die meisten verbinden damit Familie, Sicherheit und Geborgenheit. Doch es gibt auch Menschen, die wegen Krieg und Terror ihr Zuhause verlassen müssen, um in einem fernen Land noch einmal neu anzufangen. Den Geschichten dieser Menschen widmete die CZ die zwölfteilige Serie „Neue Heimat Celle“, die im Jahr 2015 mit dem Sonderpreis für Volontärsprojekte im Rahmen des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet wurde.

Die Serie richtete den Blick auf die Schicksale der Flüchtlinge und ließ die Menschen, die vor Ort mit dem Thema zu tun haben, zu Wort kommen. Entstanden war die Idee dazu während einer Schulung in der hausinternen Volontärsausbildung, wie sich der zuständige Volontärsausbilder Volker Franke erinnert. „Wir haben überlegt, wie man auf Konzepte kommen und mögliche Themen für die Zeitung erkennen kann. Einer der Volontäre hatte dann die Idee, eine Serie zum Thema Flüchtlinge zu machen.“

„Die Idee ist mir im Spätsommer 2014 quasi auf dem Sofa beim Schauen der täglichen Nachrichten gekommen“, berichtet der ehemalige CZ-Volontär Kai Knoche. Die UN warnte damals, dass global so viele Menschen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr auf der Flucht seien. Doch dass sich hinter den oft genannten Zahlen Millionen von realen Menschen in unvorstellbaren und kaum nachvollziehbaren Notsituationen verbergen, sei damals wie heute in der medialen Berichterstattung oft vergessen worden, so Knoche. „Wir als Volontäre wollten unserem Auftrag als Zeitung, unsere Leser umfassend und möglichst aus allen Perspektiven über das so breit gefächerte Thema zu informieren und aufzuklären, nachkommen – und natürlich auch Verständnis wecken.“

Nach dem ersten Vorschlag entwickelten die damaligen Volontäre Kai Knoche, Alexander Hänjes, Johanna Müller und Carsten Richter die Idee mit ihrem Ausbilder weiter. Und so nahm diese Idee zur Serie Form an. Dabei sei das eines der emotionalsten journalistischen Projekte seiner Karriere gewesen, erinnert sich Knoche. „In so gut wie jedem Gespräch gab es während des Interviews, das eher einem mehrstündigen Besuch auf sehr persönlicher Ebene glich, einen emotionalen Wendepunkt. Sobald es um Details zur Flucht ging, flossen häufig Tränen.“ So habe zum Beispiel ein Sudanese erzählt, wie sein bester Freund bei der Überquerung des Mittelmeers ertrank, während er vor Erschöpfung eingeschlafen war. „Das lässt einen auch als Journalisten bei aller gebotenen Neutralität nicht kalt“, so Knoche.

Auch die Jury der Konrad-Adenauer-Stiftung war von dem Projekt beeindruckt. „Jurysprecherin Heike Groll sagte bei der Preisverleihung im September 2015 in Sindelfingen, angesichts der aktuellen Flüchtlings-Entwicklung mute diese im Jahr 2014 gestartete Serie schon wie Hellseherei an. Mehr Kompliment geht nicht, sodass wir als Volontäre auch ein wenig stolz auf die Wertschätzung der über Wochen geleisteten harten Arbeit sind“, sagt Knoche. „Doch die Mehrarbeit spielte für niemanden aus dem Team, das diesen Preis gewonnen hat, eine Rolle. Im Gegenteil: Wir konnten unserer journalistischen Leidenschaft und Kreativität freien Lauf lassen.“


Theodor-Wolff-Preis:
Neben der Auszeichnung für das Volontärsprojekt „Neue Heimat Celle“ gingen in den vergangenen Jahren weitere Journalistenpreise nach Celle. Über eine Ehrung durfte man sich dabei besonders freuen: Im Jahr 1993 wurde der Beitrag der damaligen CZ-Redakteurin Sabine Schwieder über ein Projekt für kurdische Mädchen in der Celler Bahnhofstraße mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Er gilt als höchste Auszeichnung im deutschen Journalismus.

In dem Mädchentreff wurden damals zum Großteil kurdische Kinder und Jugendliche betreut. Außerdem gab es einen Sprachkurs für kurdische Frauen. Dort wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, gemeinsam das Theater zu besuchen oder an einem Kursus für Töpfern oder Computer teilzunehmen. Sachen also, die zur Integration beitragen, und für die die kurdischen Mädchen in ihrer Freizeit häufig nicht die Zeit hatten. Hintergrund der Geschichte war die damalige Diskussion über das Asylrecht. Dabei wurde oft übersehen, dass ein großer Teil der Kinder kurdischer Eltern in Celle geboren und aufgewachsen ist. Sie sprachen oft besser Deutsch als ihre Muttersprache, und auch die Jugendlichen untereinander verständigten sich oft auf Deutsch. Mit ihrer Geschichte über den Mädchentreff hatte sich Sabine Schwieder auf die Spur der kurdischen Mädchen begeben. Ein ausgezeichneter Beitrag im wahrsten Sinne des Wortes.

Spielplatztest:
Zehn Jahre später veröffentlichte die CZ einen großen Spielplatztest, der ihr den seinerzeit erstmals ausgelobten Preis für Verbraucherjournalismus der Stiftung Warentest bescherte. „Besser hätten wir es auch nicht machen können“, sagte Heike van Laak von der Verbraucherorganisation in ihrer Laudatio im Mai 2004 im Hotel Adlon in Berlin. „Das war eine wunderbare Aktion mit hohem Nutzwert.“ Im Text der Urkunde, die Chefredakteur Ralf Leineweber und der Initiator der Serie, Redakteur Andreas Babel, seinerzeit entgegennahmen, hieß es, der Preis werde verliehen an „Redaktionen regionaler Tageszeitungen, die im vergangenen Jahr in herausragender Weise über Verbraucherthemen berichtet haben“.

In einem Zeitraum von sechs Monaten hatte die Lokalredaktion damals alle 222 öffentlich zugänglichen Kinderspielplätze im Landkreis Celle getestet. Sieger des Tests war übrigens die Gemeinde Hambühren.

Kommunalwahl-Berichterstatung:

Ebenfalls bundesweite Beachtung erwarb sich die CZ mit ihrer Berichterstattung im Vorfeld der Kommunalwahl 2006. Die Redakteure setzten die politischen Themen selbst, banden die Leser stärker ein und präsentierten die Wahlthemen noch lokaler. Das Bemühen, auf diese Weise gegen die schon damals aufkommende Wahlmüdigkeit anzukämpfen, hinterließ bei den Juroren der Konrad-Adenauer-Stiftung Eindruck – am Ende reichte es zwar nur zur Einstufung als „fast preisgekrönte Einsendung“, das Konzept aber fand Eingang in die Dokumentation der besten Lokalzeitungsprojekte des Jahres 2006.

Grundlage für diese seinerzeit neue Art der Wahlberichterstattung war eine Leserumfrage, die drei Monate vor der Wahl begann. Zu jeder Kommune wurden Fragebögen in der CZ veröffentlicht, die allgemeine und spezifische Fragen zum Ortsteil oder der Gemeinde enthielten. Etwa 3000 Fragebögen schickten die Leser zurück. Auf Grundlage der Ergebnisse erstellte die Redaktion Themenlisten, in die sie die Bürgermeinungen einarbeitete. Anschließend wurde mit Ausnahme des Montags auf täglich drei Seiten berichtet. Dabei kamen bis zum Wahltag mehr als hundert Seiten zusammen.

„Kurden in Celle“:
Ebenfalls zu den „fast
preisgekrönten Einsendungen“ im Rahmen des Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung zählte die CZ-Serie „Kurden in Celle“, die Andreas Babel 1996 konzipierte und veröffentlichte.