Fundus alte CZ-Ausgaben: Mehr als nur Erinnerungen

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Annegret und Hartmut Köhn haben eine Zeitung vom 31. August 1968 aufbewahrt. Die CZ berichtete über ihre Hochzeit. © Alex Sorokin

Eine Sonderbeilage zu den Olympischen Spielen 1936, Veröffentlichungen aus den letzten Kriegstagen im April 1945, ein Bericht zum Spiel der Winser Altherren-Mannschaft gegen eine Uwe-Seeler-Elf im Jahr 1995 – und ganz viele persönliche Erinnerungen: Etliche Leser haben nach einem Aufruf in der CZ alte Zeitungsfunde eingesandt. Manches kam beim Renovieren zum Vorschein, manches lag auf dem Dachboden. Doch ganz viele Zeitungsberichte wurden auch feinsäuberlich abgeheftet – und manchmal regelrecht archiviert.

Die älteste Zeitung hat uns Wilfried Bergmann geschickt. Er hatte die Titelseite vom 27. Juli 1907 gefunden. Bilder in der Zeitung gab es damals noch nicht. Dafür stehen ganz vorne die „Obrigkeitlichen Bekanntmachungen des Landrates“. Es folgen Nachrichten aus dem Deutschen Reich. Der CZ-Leser erfährt zum Beispiel, dass es einen „Mangel an tüchtigen gelernten Arbeitern“ gibt. Viel Raum nehmen auch die Nachrichten aus dem Ausland ein, aus dem Orient genauso wie aus Korea oder Russland. Das Lokale folgt auf Seite 2 – ein Bericht vom „Städtischen Schützenfest 1907“.

Bergmann vermutet, dass sein Urgroßvater die Zeitung beim Richtfest zu seinem Hausbau in der Heese als Erinnerung in eine Kassette gelegt hat. Er selbst hat die Kassette, in der die allerwichtigsten Dokumente wie Sterbe- und Heiratsurkunden aufbewahrt wurden, vor vielen, vielen Jahren im Schrank seiner Großeltern gefunden. Der 77-Jährige wohnt mit seiner Frau immer noch in seinem Elternhaus – dem Haus, das 1907 erbaut wurde.

Renate Franke lebt schon lange nicht mehr im Celler Land. Sie hat in Niederbayern eine neue Heimat gefunden. Am Wochenende lässt sie sich aus alter Verbundenheit die Cellesche Zeitung schicken. Aufgehoben hat Renate Franke bis heute unter anderem die Ausgabe vom 25. Mai 1963. Damals war sie die Heidekönigin „Renate von Wienhausen“ und vertrat die heimischen Farben auf der Internationalen Bodensee-Messe. Die CZ berichtete auf einer ganzen Seite. „Messefreundschaft zwischen Nord und Süd“ lautete die Überschrift, „Renate von Wienhausen“ ist mit Krone auf zwei Bildern zu sehen. Damals war sie 24 Jahre alt, als Heidekönigin vertrat sie die gesamte Heide zwischen Weser und Elbe – zweifellos eine große Sache.

„Renate von Wienhausen“ flog mit einer kleinen Maschine nach Friedrichshafen an den Bodensee. In den 60er Jahren war Reisen keineswegs so selbstverständlich wie heute, schon gar nicht mit dem Flieger. Die Heidekönigin muss sich wahrhaft majestätisch gefühlt haben. Der baden-württembergische Ministerpräsident und spätere Kanzler Kurt Georg Kiesinger ließ Renate Franke mit seinem Dienst-Mercedes abholen. „König Silberzunge“, wie er damals genannt wurde, sei ein sehr charmanter Gastgeber gewesen, erinnert sie sich. Ihre zweijährige Regentschaft als Heidekönigin führte sie auch nach Schweden und Berlin. „Es sind schöne Erinnerungen, deshalb habe ich die Zeitungen aufbewahrt. Es ist ein Teil meiner Jugend“, sagt die 79-Jährige.

Eine komplette Ausgabe hat der Celler Hartmut Köhn behalten. Kein Wunder, der 31. August 1968 war ein besonderer Tag. Köhn heiratete einen Tag zuvor seine Annegret. Die CZ berichtete in Wort und Bild. „Den Bund der Ehe ging einer der erfolgreichsten Rennruderer des Celler Rudervereins ein. Er gehörte mit seiner Mannschaft mehrere Jahre zu Deutschlands Spitze im Rudersport“, heißt es in dem kleinen Artikel. Das Jubelpaar feierte in der Blumläger Kirche, es folgte eine städtisch genehmigte Prozession durch die Stadt, wobei das Paar auf einem Tieflader neben einem Rennboot saß. „Die CZ habe ich aufbewahrt, weil es etwas Besonderes war, mit Bild in der Zeitung zu sein“, sagt der 74-Jährige. Er war im Celler Ruderverein Mitglied der ersten Stunde. Im Februar war er bei den Feiern zum 60-jährigen Bestehen dabei. Und auch im kommenden Jahr gibt es etwas zu feiern: Dann steht die Goldene Hochzeit an.